Einlagen·Fußbeschwerden

„Wir brauchen einen starken Partner – und der braucht uns!“

Fachhandel und Industrie im Expertengespräch

Von Bauerfeind Life Magazin am 30.10.2023

Welche Gesundheitsanforderungen haben die Patienten heute? Was tun gegen Fachkräftemangel? Wie verändert sich der Markt? Am Beispiel Einlagenversorgung positionieren sich dazu drei erfahrene Vertreter der Branche: Achim Oberle, Orthopädie-Schuhmachermeister und -Techniker, sein Sohn Philipp Oberle, Orthopädie-Schuhmachermeister und Sportwissenschaftler, beide Geschäftsführer von Oberle in Ettenheim, sowie Martin Hepper, neuer Leiter Fußorthopädie der Bauerfeind AG.

life: Oberle gibt es bereits in der fünften Generation. Welche Anforderungen werden heute an eine Einlagenversorgung gestellt?

Philipp Oberle: Wir beraten und versorgen immer vollumfänglicher, d.h. wenn der Patient mit einem Einlagenrezept zu uns kommt, heißt das nicht, dass er nur mit einer Einlage aus dem Haus geht. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er zum Beispiel noch Knieschmerzen hat und wir dann darauf eingehen müssen. Die Diagnose stellt der Arzt. Aber wir brauchen auch mehr Fachkompetenz, um mit dem Patienten und dem Arzt über die Themen sprechen zu können. Und es gibt Trendkrankheiten. Vor zehn Jahren war das Thema Gonarthrose noch gar nicht so groß wie es jetzt ist. Da muss man für eine gute Versorgungsqualität am Ball bleiben.

Martin Hepper: Da klingt der ganzheitliche Therapieansatz durch. Diese Idee verfolgen wir auch und Gonarthrose ist ein gutes Beispiel. Die Patienten sollten ganzheitlicher betrachtet werden, um die gesundheitswirksamen Effekte durch die Kombination verschiedener Hilfsmittel verstärken zu können.

Achim Oberle: Der Kunde erwartet von uns heute einfach eine vollumfängliche Beratung. Dafür braucht es eine breite Produktkenntnis und eine anatomische und in den Grundlagen eine medizinische Fachexpertise. Deshalb haben wir Spezialisten im Haus. Wenn jemand in der Beratung an die Grenzen kommt, können wir sie dazu holen. Wir haben zum Beispiel einen Arthrose-Fachmann, einen Sportwissenschaftler, der nur Bike-Fitting macht oder nur Sportschuhe verkauft.

Martin Hepper, Leiter Fußorthopädie Bauerfeind AG

life: Wie regeln Sie Spezialisierung und Weiterbildung, sowohl im Handwerk als auch in der Industrie?

Philipp Oberle: In der Einlagenberatung arbeiten bei uns Orthopädieschuhmacher oder Sportwissenschaftler, die auch nur in der Beratung und im Verkauf sind. Sie sind für das Kundengespräch geschult und gehen gar nicht in die Werkstatt. Es gibt ­verschiedene Menschentypen. Andere sind lieber nur in der Werkstatt und wollen einfach ihre Arbeit machen ohne Kundenkontakt. So splitten sich schon unsere Azubis auf, die einen gehen in die Werkstatt, die anderen ins Kundengespräch.

Martin Hepper: Personal und Weiterbildung ist ein wesentlicher Punkt in unserer Branche. Auf diesem Feld unterstützen wir als Industrie in vielerlei Hinsicht. Bereits seit 2007 gibt es die Bauerfeind-Akademie mit einer stets steigenden Zahl von Angeboten. Eines müssen wir auch sehen: Bei Oberle sind ausgebildete Spezialisten. Quereinsteiger erweitern die Branche. An die müssen wir ebenfalls denken.

Achim Oberle: Quereinsteiger müssen wir permanent weiterbilden. Man bindet die Leute ans Unternehmen, wenn sie sich sicher im Gespräch fühlen. Wenn sie Angst vor jeder Versorgung haben, kündigen sie. Wir hatten schon mal zwei Damen bei einem speziellen Quereinsteiger-Kurs in Zeulenroda. Beide kamen total motiviert davon heim.

life: Was gehört für Sie neben Weiter­bildungsmöglichkeiten außerdem zu einer guten Partnerschaft, um dem Markt gerecht zu werden?

Achim Oberle: Der Servicegedanke ist ein entscheidender Punkt. Wir sind schon seit längerem Qualitätspartner und leben die Partnerschaft intensiv. Ich übe auch ordentlich Kritik. Dabei werde ich immer angehört.

Philipp Oberle: Eine gute Kommunikation ist mir auch wichtig. Mich treiben außerdem die Digitalisierungsthemen um, sei es das Bestellwesen, das gern per Knopfdruck in unsere Warenwirtschaft fließt oder digitale Schnittstellenthematiken. Für uns ist es wichtig, Prozesse effizienter zu gestalten, weil wir künftig noch mehr Arbeit mit weniger Personal gestalten müssen. Dafür brauchen wir einen Partner, der in anderen Dimensionen denken kann, als der kleine Fachhändler. Wir brauchen einfach einen starken Partner an unserer Seite und der braucht uns.

Praxiswissen aus dem Fachgeschäft: Orthopädie-Schuhmachermeister Philipp und Achim Oberle (v. l.).

Martin Hepper:  Das sind genau die Punkte, an denen wir arbeiten. Mit einer an die Messtechnik angebundene Softwarelösung können wir im Einlagenbereich Prozesse im Fachgeschäft digitalisieren, um Zeit zu sparen und wirtschaftlich arbeiten zu können. Ein strukturiertes Produktportfolio kann dabei auch sehr hilfreich sein. Sich auf unsere Stärke zu besinnen, weist den Weg. Klar ist: Zur Kernkompetenz von Bauerfeind gehören Einlagen. Eine Konzentration auf bestimmte Modelle in einheitlicher Optik sollte ein Ziel sein. Und was den Handel gleichfalls direkt betrifft: Bauerfeind ist Serviceführer. In diese Richtung werden wir weitergehen. Die Lieferfähigkeit und die Garantie, immer einen Ansprechpartner zu haben, genießt absolute Priorität

life: Familien Oberle, was hat bei Ihnen aktuell Priorität?

Achim Oberle: Wir diskutieren viel, welche Betriebsgröße vernünftig ist. Wo entwickeln wir uns hin. Aktuell ist immer einer der Chefs ansprechbar und sofort in einer Filiale, wenn es brennt. Mit 30 Leuten merken wir, dass wir da an eine Grenze kommen, die mehr Personalorganisation erfordert. Da ist Philipp gefragt.

Philipp Oberle: Im Prinzip sind wir gerade in einer Change-Phase, um von 30 in Richtung 40 bis 50 Mitarbeiter zu kommen. Denn ab da hat man dann wieder Prozesse, wo sich eine eigene Personalabteilung lohnt, sich jemand nur um die Kassenverträge kümmert etc. Da sind wir gerade im Umbruch. Das macht mir Spaß. Ich finde es unglaublich spannend, einen Betrieb zu entwickeln und bin sehr dankbar, dass mir meine Eltern das anvertrauen und ich selbst gestalten darf.

Bilder: Bauerfeind, Udo Schönewald, shutterstock.com/Maridav

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