Bandagen/ Orthesen/ Sportverletzungen

Die Erstversorgung ist entscheidend

Return to Sports in der Orthopädie

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Dr. med. Sebastian Mittelhaus ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin sowie DOSB-Athletiktrainer. Seit 2012 betreut er als Mannschaftsarzt und seit 2014 als Leitender Verbandsarzt die Leistungssportler des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes. Im Mai 2022 war er mit dem deutschen Nationalteam bei den 24. Deaflympics in Brasilien. Mit dabei: der Bauerfeind-Notfallkoffer für die sichere Versorgung der Athleten. Gehörlose Sportler verletzen sich in individuellen Wettkampfsituationen zum Teil anders als hörende Sportler. Da ihnen akustisch übermittelte Signale und Warnungen fehlen, werden sie vor allem in den Kontaktsportarten häufiger unerwartet verletzt, was zu spezifischen Fallmustern führt. Bei Verletzungen im Wettkampf kommt es auf eine genaue Diagnostik und entsprechende Erstversorgung an, damit nach Möglichkeit ein schnelles „return to sports“ möglich ist. Die Orthesen aus dem Bauerfeind-Notfallkoffer kam für die gesamte Bandbreite von sporttypischen Verletzungen zu Einsatz. Die überarbeitete Sprunggelenksorthese AirLoc für die Beschränkung von Pronation und Supination wird von Sportlern sehr gut angenommen, da sie durch ein einfaches Handling und großen Tragekomfort im Schuh überzeugt.

Die alle vier Jahre stattfindenden Olympischen Spiele der Gehörlosen, die Deaflympics, fordern als sportliches Großereignis Athleten und Mediziner. Dr. Sebastian Mittelhaus betreute das deutsche Team als leitender Arzt. Er, seine Crew und der Notfallkoffer von Bauerfeind konnten den meisten Sportlern auch nach einer Verletzung die Fortsetzung des Turniers ermöglichen.

life: Mit Sportveranstaltungen verbindet man eine bestimmte Geräuschkulisse. Wie hören sich Deaflympics an?

Dr. Sebastian Mittelhaus: Deaflympics sind keineswegs „stille Spiele“, dazu sind viel zu viele Menschen anwesend – Trainer, Schiedsrichter, Betreuer, Publikum. Und man darf nicht vergessen, dass die meisten Athleten entweder ein Cochlea-Implantat oder ein Hochleistungshörgerät haben. Für die Wettkämpfe müssen gemäß Reglement alle Hörhilfen entfernt werden, aber sonst findet die Verständigung unter den Sportlern neben dem kommunikativen Grundelement der international anerkannten Gebärdensprache unter anderem je nach Grad der Hörbeeinträchtigung auch verbal statt. 

Dr. med. Sebastian Mittelhaus, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Wie waren Sie als Team aufgestellt und mit welcher Ausrüstung sind Sie dieses Jahr ins brasilianische Caxias do Sul gereist?

Dr. Sebastian Mittelhaus: Wir waren zwei Ärzte, ein Allgemeinmediziner und ich als Orthopäde und Unfallchirurg, sowie zehn Physiotherapeuten. Medizinisch gesehen ist es bei der im Vergleich zu regulären Olympischen Spielen kleinen Größe des medizinischen Teams eine große Herausforderung Sportlerinnen und Sportler in solch einem Wettkampf adäquat zu betreuen. Da kommt es auf die Erstversorgung an, denn über allem steht der Gedanke „Return to Sports“, schließlich haben sich die Athleten jahrelang intensiv auf diese wenigen Tage vorbereitet. Wertvolle Dienste hat uns der Bauerfeind-Notfallkoffer mit Bandagen und Orthesen geleistet.

Zwei Wochen, elf Sportarten, 75 Athleten – wie haben Sie sich da aufgeteilt?

Dr. Sebastian Mittelhaus: Wir, die beiden Ärzte, haben unseren Schwerpunkt bei der Betreuung an den Wettkampfstätten auf die Kontaktsportarten wie Fußball und Handball gelegt – da treten erfahrungsgemäß häufiger Verletzungen auf als beim Schwimmen oder beim Sportschießen. Wo wir nicht sein konnten, lag also dann viel Verantwortung bei unseren Physiotherapeuten, welche stets mit uns im Austausch waren. Wir hatten zwar budgetbedingt ein kleines, aber auch ein sehr gut fokussiertes und professionelles Team für diese immer sehr langen Tage.

Verletzen sich gehörlose Sportler anders als hörende Sportler?

Dr. Sebastian Mittelhaus: Ja, das ist in der Tat in manchen Sportarten so, denn es fehlen teilweise die akustisch vermittelten Informationen, etwa die Warnrufe oder die verbale Abstimmung von Spieler zu Spieler. Das ist vor allem bei den Kontaktsportarten bedeutsam, wenn etwa ein Sportler nicht hören kann, dass hinter ihm ein Gegenspieler angerannt kommt. Hieraus resultiert ein enormes Potenzial an unerwarteten Verletzungen. Die Verletzungen sind nicht unbedingt schwerer, aber sie stellen sich etwas anders dar, weil zum Beispiel das Fallmuster ein anderes ist. Bei zum Beispiel einem unerwarteten Gegnerkontakt von hinten oder einem Luftduell und dem Verlust an Gleichgewicht fällt ein gehörloser Sportler in bestimmten Situationen anders als jemand, der gegebenenfalls mit einem Sturzereignis rechnet.

Gemeinsam zu den ­Deaflympics: Athleten und Betreuer des DGSV, bei dem Dr. Sebastian ­Mittelhaus als leitender Verbandsarzt fungiert.

„Über allem steht der Gedanke ,Return to Sports‘, schließlich haben sich die Athleten jahrelang intensiv auf diese wenigen Tage vorbereitet.“

Dr. med. Sebastian ­Mittelhaus

Wie stark war das Nationalteam von Verletzungen betroffen?

Dr. Sebastian Mittelhaus: Traumatologisch betrachtet waren die schwersten Verletzungen in der gesamten Delegation eine Tibiakopffraktur, eine Ruptur des vorderen Kreuzbands, ein Meniskusriss sowie ein Muskelbündelriss. Die betreffenden Athleten mussten wir aus dem Wettkampf nehmen. Klassiker im Sport sind natürlich immer die muskulären Verletzungen und Distorsionstraumata bei Knie und Sprunggelenk. Nach einem ersten Check der Bandstabilität sowie dann einer radiologischen Diagnostik konnten wir in diesen Fällen mit den ­Bauerfeind-Orthesen immer eine gute Erstversorgung gewährleisten, welche zu einer Reduktion der Schmerzen und Stabilisierung der verletzten Partie beigetragen haben. Zudem waren wir gut ausgestattet, um auch medikamentös und physikalisch durch Elektro- oder Ultraschalltherapie supporten zu können. Die meisten Athleten konnten wir also wieder für den Wettkampf freigeben. Der Vorteil bei Leistungssportlern ist ja, dass sie oft schon erfahren im Umgang mit Verletzungen sind. Und viele kennen das ein oder andere Produkt bereits, da mussten wir gar nicht mehr viel erklären.

Welche Bauerfeind-Orthesen kamen sportmedizinisch zum Einsatz?

Dr. Sebastian Mittelhaus: Der Notfallkoffer deckt die ganze Bandbreite von sporttypischen Verletzungen sehr gut ab und wir haben tatsächlich alles eingesetzt. Da waren beispielsweise Schulterluxationen, die wir vor Ort geschlossen reponiert und mit der OmoLoc ruhiggestellt haben. Genauso wichtig war für uns die GenuLoc nach Distorsionstrauma am Kniegelenk. Auf Platz eins in der Erstversorgung war definitiv die AirLoc für das Sprunggelenk, die haben mir die Sportler gleich aus der Hand genommen und selbst so gut angelegt, dass sie fast schon perfekt saß. Die AirLoc ist im ganzen Handling äußerst benutzerfreundlich. Die weiche Innenfläche mit dem Luftpolster zum selbst Einstellen und natürlich, dass die Orthese sowohl links als auch rechts verwendet werden kann, das ist ein großes Plus. Ein Kompressionsverband, dann die AirLoc drumherum, damit ist eine gute Erstversorgung gewährleistet und es entsteht gar nicht erst ein großes Hämatom.

Sie sind seit 2012 Mannschaftsarzt für den Deutschen Gehörlosen-Sportverband (DGSV). Wie wirkt sich Ihre Erfahrung im Umgang mit gehörlosen Sportlern auf Ihren Berufsalltag in der Praxis aus?

Dr. Sebastian Mittelhaus: In meine Praxis kommen relativ viele hörgeschädigte Patienten, das hat sich im Lauf der Jahre so ergeben. Das sind Freizeit- und auch Leistungssportler, aber auch andere normale Patienten. Für den Umgang mit Hörgeschädigten müsste die Sensibilität in der Ärzteschaft generell noch größer werden. Da geht es um ganz einfache Dinge wie ein gutes, deutliches Mundbild beim Sprechen oder ein Bewusstsein dafür, nicht hinter dem Patienten stehend oder zum Bildschirm gedreht etwas zu erklären. Der Alltag mit Masken hat das nicht gerade leichter gemacht, umso wichtiger ist eine klare, zugewandte Kommunikation.

Orthesen für den Notfall 

Bauerfeind ist ein bewährter Partner des Leistungssports. Im Fokus steht dabei der Aspekt „Return to Sports“, also die stabilisierende und schmerzreduzierende Versorgung, um dem Sportler auch nach einer Verletzung eine weitere Teilnahme am Wettkampf zu ermöglichen. Für die im Sport häufig auftretenden Gelenkdistorsionen ist der Bauerfeind-Notfallkoffer mit einem breiten Sortiment an stabilisierenden Kleinorthesen bestückt: AirLoc, GenuLoc, OmoLoc, ManuLoc long und RhizoLoc. 

Die neue AirLoc 

Die luftgepolsterte Sprunggelenksorthese AirLoc ist jüngst überarbeitet und im Komfort weiter verbessert worden. Die neue Generation ist in einer Universalgröße erhältlich, die sowohl am rechten als auch am linken Fuß getragen werden kann. Zur Kompression und individuellen Anpassung an den Schwellungszustand ist lateral ein Luftpolster integriert, das von außen über eine Pumpe und ein Ablassventil einfach einstellbar ist. Diese Orthese kann zum Schutz vor erneuten Umknickverletzungen bis zu sechs Wochen posttraumatisch getragen werden.

Bilder: Bauerfeind, Manuel Tennert, Anton Schneid/Schneid & Kleinert, Quelle DGSV e.V.

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