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Erste Zertifizierung mit Lymphsiegel Ein Signal an Betroffene

Ausgabe 01/2021

Beate Pohl, Regionalleiterin Berlin,  Iken Höntzsch, Regionalleiterin LOS,  Sören Heinz, Geschäftsführer ots Schadock GmbH, Uwe Imkamp, mamedicon GmbH (v. l.).

Die Firma Schadock mit Filialen in Berlin und Brandenburg hat 2020 als erstes Sanitätshaus in Deutschland das herstellerunabhängige Lymphsiegel der mamedicon GmbH erworben. Beate Pohl, Regionalleiterin Berlin, und Iken Höntzsch, Regional­leiterin Landkreis Oder-Spree, beide zertifizierte Lymphexpertinnen, über die Intention und Vorteile des Lymphsiegels.

life: Herzlichen Glückwunsch zum Erhalt des Lymphsiegels. Welche Idee steckt hinter diesem Zertifikat?

Beate Pohl: Das Lymphsiegel basiert auf drei Säulen. Die Lebensqualität unserer betroffenen Patienten wird durch einen geprüften Versorgungsprozess verbessert. Des Weiteren wird die professionelle Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsnetzwerken konzen­triert, das heißt, die Kommunikation zwischen Patient, Arzt, Sanitätshaus, Lymphtherapeut und Apotheke wird vorausgesetzt. Darüber hinaus ist das Werben um eine höhere Akzeptanz bei den Krankenkassen ein großes Anliegen. Statt der oftmals genehmigten unzureichenden Grundversorgung ist bei den Lymphpatienten eine individuelle Zusatzversorgung zwingend nötig.

Der Anspruch an eine hohe Leistungserfüllung beim Versorgen von Lymphpatienten war bei Ihnen bereits ohne das Lymphsiegel gegeben. Welche Vorgaben müssen Sie jetzt zusätzlich erfüllen?

Iken Höntzsch: Wir haben spezielle Prozesse für den Umgang mit lymphatischen Erkrankungen ausgearbeitet, die sich an den neuesten medizinischen Standards orientieren. Zum Beispiel war eine Anamnese schon immer Teil unserer Beratung. Jetzt aber haben wir einen standardisierten Anamnesebogen entwickelt, der neben wichtigen Daten zur Erkrankung auch die private Lebenssituation unserer Patienten berücksichtigt. Für unsere Patienten halten wir eine Informationsmappe bereit, die zum Beispiel einen Ablaufplan ihrer Lymphversorgung, Informationsmaterial über die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE), einen ausgewogenen Ernährungsplan, Informationen zu ihrem Krankheitsbild mit vielen guten Tipps und ein Lymphtagebuch enthält. Hier können unsere Patienten ihr tägliches Befinden dokumentieren. Diese Informationsmappe bekommen unsere Patienten mit nach Hause, damit sie sich in Ruhe nochmals alles durchlesen können. Das hilft unseren Patienten, den Überblick zu behalten, gegebenenfalls auftretende Fragen zu notieren und diese beim nächsten Termin mit uns zu klären.

Welche Effekte erwarten Sie von der Zertifizierung?

Beate Pohl: Für uns gilt von jeher der Grundsatz: Der Mensch muss immer an erster Stelle stehen. Seine Lebensqualität zu verbessern und seinen Leidensdruck zu minimieren, ist höchstes Gebot. Deswegen ist es so wichtig, dass wir in Deutschland flächendeckend nach einheitlichen Standards arbeiten, um unsere Patienten optimal zu versorgen. Leider ist es immer noch oft so, dass die ­Diagnose Lymph­ödem nicht erkannt oder ernst genommen wird. Unsere Patienten müssen häufig um jede manuelle Lymphdrainage und die not­wen­dige Bandagierung kämpfen. Das Lymphsiegel ist ein Signal an alle Betroffenen: Hier wird qualitativ hochwertig und vernetzt gearbeitet. Nur wer tatsächlich nach diesen Standards arbeitet, einen mehrstufigen Prozess zur Zertifizierung durchläuft und diese in regelmäßigen Audits erneuert, erhält das Lymphsiegel. Natürlich sind wir stolz, derzeit das erste und einzige Sanitätshaus mit dem Lymphsiegel zu sein. Es war ein langer Weg, der sich aber für unsere Patienten mit einer lymphatischen Erkrankung auszahlt.

 

Bild: Jana Posna


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