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Erhebung der Lebensqualität bei Venenerkrankungen Einfach ins Gespräch kommen

Ausgabe 03/2021

Um die Lebensqualität von Patienten mit Venenerkrankungen zu messen, setzen immer mehr Ärzte spezielle Fragebögen ein. Sie bieten den idealen Einstieg für einen Austausch darüber, was die Betroffenen aktuell am meisten belastet, und können den Therapieerfolg positiv beeinflussen.

Der Aspekt Lebensqualität bei chronischen Erkrankungen hat mich schon im Studium fasziniert.“ Die Psychologin Dr. Christine Blome blieb dran und beschäftigt sich mittlerweile am Hamburger Klinikum Eppendorf (UKE) hauptberuflich mit diesem Thema. Als Leiterin des Bereichs „Patient Reported Outcomes“ am Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) ist sie maßgeblich an der Entwicklung von Fragebögen beteiligt, die unter anderem die Lebensqualität von Patienten mit Venenerkrankungen erheben. Dabei geht es ihr in erster Linie darum, dass behandelnde Ärzte mit ihren Patienten ins Gespräch kommen. 

Zehn Fragen erleichtern den Einstieg

Sie empfiehlt, den Fragebogen schon im Wartezimmer vom Patienten ausfüllen zu lassen. „Dann nimmt der Arzt ihn mit ins Gespräch, schaut, wo es hakt, und kann weitere Fragen stellen.“ Zum Beispiel die Kurzversion des validierten „Freiburger Lebensqualitäts-Assessments für Venenerkrankungen“ (FLQA-VS-10). Während viele Instrumente zur Messung der Lebensqualität bei chronisch-venöser Insuffizienz (CVI) teilweise über 100 Items enthalten, konzentriert sich diese Kurzversion, der FLQA-VS-10, auf zehn Fragen. Bei deren Auswahl wurden Kriterien wie eine Faktorenanalyse aller Items, ihre psychometrischen Eigenschaften sowie klinisch-inhaltliche Erwägungen berücksichtigt. Aus der Faktorenanalyse kristallisierten sich vier Dimensionen heraus, die in den Fragebogen eingeflossen sind: negative Emotionen, Alltagsbeeinträchtigung, Belastung durch die Behandlung, soziale Probleme.

Die Kurzversion des validierten „Freiburger Lebensqualitäts-Assessments für Venenerkrankungen“ (FLQA-VS-10) konzentriert sich auf zehn Fragen.
Die Kurzversion des validierten „Freiburger Lebensqualitäts-Assessments für Venenerkrankungen“ (FLQA-VS-10) konzentriert sich auf zehn Fragen.

Erfahrungswerte sammeln

Ob bei der Behandlung die längere oder kürzere Version eingesetzt wird, ist laut Privatdozentin Dr. Christine Blome auch eine Zeitfrage und muss abgewogen werden, denn: „Ist ein Fragebogen zu generisch formuliert, fühlen sich die Patienten möglicherweise nicht abgeholt.“ Eine umso größere Rolle spielt dann das ausführliche Arztgespräch. Es signalisiert: Wir sind daran interessiert, wie es Ihnen geht, auch psychisch, und fällen dann gemeinsam eine Entscheidung auf Augenhöhe. „Unterm Strich sind bei einer langfristigen Behandlung der Einsatz eines Fragebogens und das ausführliche Gespräch nicht unbedingt zeitaufwendiger“, erklärt die Diplom-Psychologin. Sie weiß: „Wenn der Patient etwas auf dem Herzen hat, wird er es nicht los, und es kommt immer wieder hoch.“ Ist man dem Problem durch Nachfragen frühzeitig auf den Grund gekommen und kann es in der Therapie berücksichtigen, sind die Patienten nicht nur zufriedener und fühlen sich ernst genommen, das Therapieziel wird auch schneller erreicht. Das spart darüber hinaus Kosten und der behandelnde Arzt sammelt Erfahrungswerte. Wichtig ist: Damit ein Fragebogen statistisch standhält, muss er Veränderungen über eine längere Zeit abbilden, das heißt die wichtigsten Aspekte müssen regelmäßig erneut abgefragt werden. 

„Unterm Strich sind bei einer langfristigen Behandlung der Einsatz eines Fragebogens und das ausführliche Gespräch nicht unbedingt zeitaufwendiger.“
Privatdozentin Dr. phil. Christine Blome

Früh übt sich

Das Thema Lebensqualität gewinnt zusehends an Bedeutung: So üben im UKE bereits Studierende mit Simulationspatienten, deren psychosozialen Hintergrund zu erfragen. Sie lernen, empathisch nachzufragen, sich gezielt nach den Lebensumständen und mentalen Belastungen zu erkundigen, Patienten ausreden und Gesprächspausen zuzulassen. Das soll ihr Bewusstsein für den Stellenwert der Lebensqualität beim Therapieerfolg schärfen. 

Konkret umfasst die Lebensqualität deutlich mehr als körperliche Belastungen. So haben manche Patienten Hemmungen, am Arbeitsplatz Kompressionsstrümpfe zu tragen, schlafen schlecht, befürchten, ihre Angehörigen zu belasten, leiden an Depressionen. Kurz gesagt, geht es um den gesamten Lebenshintergrund des Patienten, nicht nur um rein medizinische Fragen.

Der Patient ist Experte für sein Leben

Auch auf die Verordnung der passenden Kompressionsstrümpfe nehmen Fragebögen Einfluss, wie der „Patient Benefit“: Dieser Bogen fragt nicht die aktuelle Beeinträchtigung ab, sondern was sich die Patienten von einer Therapie und im konkreten Fall von den Kompressionsstrümpfen erhoffen. Beides ist nämlich nicht unbedingt deckungsgleich. Man muss laut Dr. Christine Blome unterscheiden zwischen maximaler Wirksamkeit der Therapie und was dem Patienten in Sachen Lebensqualität am wichtigsten ist. So zielt eine Therapie zwar auf die Schmerzreduzierung oder das Abheilen von Wunden und Schwellungen ab. Doch vorrangig wünscht sich der Patient möglicherweise, wieder schwimmen oder ohne Einschränkungen arbeiten zu gehen. Das gilt es herauszufinden.

Es zeigt sich: Alles in allem ist es keine verlorene Zeit, über das rein Medizinische hinaus auch die Lebensqualität im Arztgespräch zu thematisieren. Es profitieren alle, wie Dr. Christine Blome feststellt: „Hier treffen zwei Experten zusammen. Der Arzt ist Experte für Medizin, der Patient Experte für sein Leben.“

Lebensqualität ist messbar

Der Kurzfragebogen FLQA-VS-10 umfasst zehn gezielte Fragen zum physischen und psychischen Befinden von Patienten mit Venenerkrankungen in den letzten sieben Tagen. Sie reichen von familiären Problemen über Niedergeschlagenheit und Reizbarkeit bis zu Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen. Er ist einfach einzusetzen und ermöglicht eine zuverlässige Erhebung und Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Betroffenen. Interessierte Ärzte können den FLQA-VS-10-Fragebogen wie auch die Langversion per E-Mail bei Dr. Christine Blome direkt anfordern: c.blome@uke.de

Bilder: Stefan Volk, Bauerfeind


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