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ErgoPad work:h unter Druck Prüfung bestanden

Ausgabe 03/2013

Eine Baumusterprüfung für Sicherheitsschuhe ist kein Spaziergang. Mit Messer, Säge und einem Fallhammerwird den Schuhen auf Leisten und Sohle gerückt. Dabei gerät auch eine orthopädische Einlage unter Druck. Ein Prüfbericht.

Langsam schraubt sich der Stahlriegel in die Höhe. Die Hälfte der Strecke hat der Fallhammer schon erreicht. 20 Kilogramm lasten an der Aufhängung des Gestells. Eigentlich nicht so schwer, zwei Eimer Wasser eben, kommt es einem in den Sinn. Kein Vergleich mit einem Gabelstapler. Aber was, wenn nicht Wasser, sondern fester Stahl aus einem Meter Höhe auf die Füße bzw. auf die Zehen …?
Ein Klicken unterbricht den Gedanken. Der Haltemechanismus des Gestells ist eingerastet. 1,0921 Meter zeigt das Display an. „Diese Höhe entspricht genau einem Meter freien Falls, wenn man den Reibungsverlust durch die Führungsschienen abzieht“, erklärt der Mann im weißen Kittel. Daniel Best ist Teamkoordinator im Schuhbereich beim TÜV Rheinland in Leipzig. Das weltweit tätige Unternehmen betreibt in der Messestadt eine besondere Prüfstätte. Hier werden keine Pkws untersucht , sondern persönliche Schutzausrüstungen (PSA) getestet. Dazu zählen Textilien, beispielsweise Handschuhe für die Feuerwehr, aber auch Schuhe aus dem Arbeitsschutz- und Sicherheitsschuhbereich. Jeder Hersteller, der in der EU entsprechende Produkte auf den Markt bringen will , muss ein Baumusterzertifikat vorweisen können. Dieser Nachweis bescheinigt , dass sicherheitsrelevante Tests durchgeführt und bestehende EU-Normen eingehalten werden. Viele Sicherheitsschuhe werden heute als Bausatz mit orthopädischen Einlagen ausgeliefert. Geprüft werden sie immer gemeinsam, und zwar auch dann, wenn in einem vorangegangenen Prüfverfahren die Schuhe allein schon das Baumusterzertifikat erhalten haben. In Leipzig mit von der Partie: die neue, dämpfende Einlage ErgoPad work:h von Bauerfeind.

Der kritische Bereich: eine aufgeschnittene Schuhspitze inklusive Einlage vor und nach der Stoßfestigkeitsprüfung.
Der kritische Bereich: eine aufgeschnittene Schuhspitze inklusive Einlage vor und nach der Stoßfestigkeitsprüfung.

Stöße, Drücke, Energien

Vier Prüfungen sind es im Wesentlichen, denen die Kombination Sicherheitsschuh/orthopädische Einlage ausgesetzt wird: Stoßfestigkeit , Antistatik, Energieaufnahme und Druckwiderstand. Zur Prüfung der Stoßfestigkeit hat Daniel Best das abgesägte Vorderteil eines Sicherheitsschuhs in die Haltevorrichtung unter dem Hammer gespannt. Auf Augenhöhe mit der Haltevorrichtung ist zwischen Stahlkappe und Einlage des aufgeschnittenen Schuhs ein zylinderförmiger Gegenstand zu erkennen. Direkt darüber droht , in 1,0921 Metern Höhe, der Hammer; in seiner Falllinie: die Stahl­kappe. Die Spannung steigt. „Drei, zwei, eins“, zählt Daniel Best. Dann drückt er eine grüne Taste auf dem Display. Ein Schlag! Noch Sekunden nach dem Aufprall scheint der Boden zu vibrieren. Unwillkürlich geht der Blick zu den randvollen Schuhregalen und den Geräten auf den Nachbartischen. Alles steht noch an seinem Platz. „Ein Spezial­boden, der die Vibrationen dämpft“, erläutert Daniel Best. Beruhigend, doch die entscheidende Frage lautet: Wie sehr ist der zylindrische Gegenstand jetzt verformt?

Zehenzylinder mit ausreichend Resthöhe

Was im Schuhprüflabor des TÜV Rheinland in Leipzig nur simuliert wird, ist im Fabrik­alltag oft schmerzhafte Realität. Umstürzende Paletten, fallendes Lagergut , plötzlich auftauchende Gabelstapler – überall lauern Gefahren für die Füße. Spätestens nach dem Hammerschlag wird dem Beobachter klar, dass die Kräfte enorm sind. Daniel Best geht in die Knie und entnimmt der eingebeulten Stahlkappe (nicht gerissen!, was ein Ausschlusskriterium wäre) den Zehenzylinder. Ramponiert sieht er aus. Mit einem Längenmessgerät ermittelt der TÜV-Experte die Höhe. „13,5 Millimeter“, stellt er fest. „0,5 Millimeter mehr, als wir bei dieser Schuhgröße mindestens an Resthöhe brauchen.“ Die Norm ist erreicht , die Schuh-Einlagen-Kombination erhielte das Baumusterzertifikat – vorausgesetzt , die noch ausstehenden Prüfwerte werden ebenfalls eingehalten. Ein Schuh mit zu geringen Werten käme nie auf den Markt.

400 Euro für eine Flasche Silber

Reduziert werden die Belastungen mit weichbettenden Einlagen vor allem im empfindlichen Fersenbereich. An orthopädischer Kompetenz mangelt es nicht. „Die Kombination Sicherheitsschuh und Einlage ist eine Domäne europäischer, vor allem deutscher Hersteller“, berichtet Daniel Best. „Ernsthafte Konkurrenz aus Asien konnten wir bisher noch nicht erkennen.“ Wenn, dann müsste auch die sich in Europa den strengen Kriterien stellen, die neben dem TÜV noch andere Prüffirmen überwachen. Konkurrenz für sein eigenes Geschäft fürchtet Daniel Best nicht. „Sehen Sie mal.“ Der Teamkoor­dinator weist auf einen Tisch, an dem der Antistatiktest durchgeführt wird. „Reines Silber!“ Er zeigt auf die Sohle eines Schuhs. Der glänzende Überzug springt ins Auge. Das Silber dient als Leiter zur Messung des elek­trischen Widerstands. „Über 400 Euro kostet die Flasche, das reicht gerade mal für 50 Paar Schuhe“, so der Teamkoordinator. Wenn es um die Sicherheit geht , werden in Leipzig keine Kompromisse gemacht.

Einlage dämpft zusätzlich

Edelstahlkugeln im Schuh zur Antistatikmessung.
Edelstahlkugeln im Schuh zur Antistatikmessung.

Daniel Best befüllt mit einem Behälter den Schuh mit vier Kilogramm Edelstahlkugeln mit einem Durchmesser von je fünf Millimetern. Über eine Kupferplatte legt er ein elektrisches Feld an. Als Verbindung zur Metallplatte dient das Silber unter dem Schuh. Dann misst er mit zwei Elektroden, welchen Widerstand der Schuh mit der eingelegten ErgoPad work:h dem Strom entgegensetzt. Groß kann er nicht sein. Die neuen Einlagen sind mit einem Bezug aus eingewebten Karbonfasern und mit leitfähigem Polstermaterial versehen und wirken antistatisch. Das Ergebnis bestätigt es: Die Leitfähigkeit des Schuhs insgesamt ist verbessert. Geschafft. Wieder ein Haken mehr auf der Liste. Es fehlen noch die Energieaufnahme und die Druckbelastung. Zum Testen der Energieaufnahme drückt der Stempel einer Druckprüfmaschine in den Fersenbereich des Schuhs. Simuliert wird die Belastung, die die Sohle bei einem Sprung aushalten muss. Kommt dem Schuh das verbesserte Dämpfungsverhalten der neuen Einlage entgegen? „Ein sehr guter Wert“, attestiert Daniel Best. Und die Druckbelastung? 15.000 Newton, das entspricht ungefähr 1.500 Kilogramm oder 1,5 Tonnen, entfalten an der letzten Prüfstation ihre Wirkung. Wird der Schuh mit der ErgoPad work:h eine ausreichende Resthöhe im Innenraum aufweisen, wenn die Maschine das Vorderteil mit der Stahlkappe mit dieser Kraft in die Sohle drückt? Ja, alles im grünen Bereich. Dieses getestete Schuhmodell hat mit der ErgoPad work:h die Prüfungen für das Baumusterzertifikat erfüllt. Ein guter Auftritt!

 

Bilder: Karl-Ludwig Oberthür