Für Ärzte und Partner im Gesundheitswesen Informationen für Patienten finden Sie hier.

Lückenschluss zwischen Klinik und Facharzt Ein Netz gegen Altersfrakturen

Ausgabe 01/2019

Eine Fraktur, und dann? Das Kölner Netzwerk Osteoporose (KNO) macht sich dafür stark, Patienten in eine engmaschige Weiterbehandlung zu bringen. Die engagierten KNO-Ärzte haben ein stichhaltiges Argument auf ihrer Seite: die deutliche Verringerung von Folgefrakturen.

Ein Fallbeispiel: Eine 65-jährige Frau wird gegen rheumatoide Arthritis mit dem Wirkstoff Prednison behandelt. Spontan erleidet die Patientin eine Insuffizienzfraktur des Schambeins. Es erfolgte keine Osteoporose-Prophylaxe etwa durch Kalzium-/Vitamin-D-Gabe. Milch trinken lautete ein Rat. Dann treten spontane Rückenschmerzen auf. Nacheinander werden drei Krankenhäuser aktiv: Im ersten wird ein Schmerztropf angehängt , im zweiten auf Herzinfarkt abgeklärt und der Thorax geröntgt. Es werden Wirbelbrüche festgestellt. Trotzdem entlässt die Klinik die schmerzgeplagte Patientin. Erst das dritte Krankenhaus stellt die richtige Diagnose: glukokortikoidinduzierte Osteoporose.

Informationsfluss steigern, Doppeluntersuchungen vermeiden

„Gleich eine Handvoll Chancen zur Abklärung wurden hier verpasst“, bedauert Dr. med. Erik Kelter, Orthopäde mit ambulantem osteologischen Schwerpunktzen­trum in Köln. Kein Einzelfall , wie der Experte weiß. Seit 16 Jahren beschäftigt sich der niedergelassene Orthopäde mit ­Osteoporose. Tausende von Patientinnen und Patienten hat er gesehen. Dass die Krankheit immer noch nicht rechtzeitig erkannt wird, treibt ihn um. Mehr noch: „Wenn die Diagnose steht , heißt das noch lange nicht , dass sie auch weitergegeben wird.“ Das Problem ist bekannt: „Es fehlt an professionell gemanagten Schnittstellen zwischen Krankenhaus und weiterbehandelndem Arzt. Zu viele Informationen gehen verloren oder werden erst gar nicht losgeschickt“, so Dr. Kelter.

Einfache Patientenmappe sorgt für Transparenz

Orthesen wie Spinova Osteo richten den Oberkörper auf und stabilisieren die Wirbelsäule.

Dass eine Verzahnung der verschiedenen Versorgungsebenen erfolgreich funktioniert , zeigt das von Dr. Kelter mit ins Leben gerufene Kölner Netzwerk Osteoporose (KNO). Zentrale Behandlungs- und Entlassklinik des Netzwerks ist das Evangelische Krankenhaus in Köln-Kalk mit dem Chefarzt Dr. med. Henning Kunter (siehe Interview). Typisch für den pragmatischen Ansatz im Kalker Krankenhaus ist eine schlichte Mappe. In ihr befinden sich Untersuchungsergebnisse in analoger Form, die der Patient seinem zuvor schon in der Klinik ausgesuchten Osteologen mitbringt. „Die Mappe sorgt auch bei Patienten, Angehörigen und Hausärzten für Transparenz“, berichtet Dr. Kelter. „Es muss nicht immer Hightech sein. Doppeluntersuchungen und Informationsstaus sind passé, der niedergelassene Kollege ist schnell im Bild.“

„Gutes, stabilisierendes Tragegefühl“

Bei Werner Fröhlich wurde die systemische Knochenerkrankung Osteoporose diagnostiziert.

Zweites Fallbeispiel: Kurz vor dem Weltosteoporosetag am 20. Oktober 2018 findet im Kalker Krankenhaus eine Patientenveranstaltung statt. Betroffene können sich über neueste Versorgungen informieren. Auch Werner Fröhlich (Name geändert; der richtige Name ist der Redaktion bekannt) nutzt die Möglichkeit. Der ältere Mann bahnt sich einen Weg mit seinem Gehstock. Nach einem Wirbelbruch wurde schnell Osteoporose festgestellt. Behandlung und Überleitung erfolgten nach dem KNO-Fahrplan. Auch eine Orthese wurde verordnet. Sie soll die Schmerzen reduzieren und den Patienten mobilisieren. Werner Fröhlich steht jetzt am Stand von Bauerfeind, vor ihm liegt die Spinova Osteo. Nur wenige Minuten später trägt er die aufrichtende Orthese, grob angepasst , auf dem Rücken. Er greift in die Gurte und zieht. Die Augen des 78-Jährigen weiten sich: „Ein gutes, stabilisierendes Tragegefühl“, sagt Werner Fröhlich. „Von meiner anderen Orthese kenne ich das so nicht.“

Rezidivfrakturen deutlich zurückgegangen

Die Anwendung von Hilfsmitteln ist nur ein Wirkungsstrang von vielen innerhalb des KNO. Folgefrakturen minimieren – unter diesem Ziel muss sich jede Aktivität einreihen lassen. Allein daran misst sich der Erfolg des KNO. Die Zahlen sind eindeutig: Sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich des KNO konnten Rezidivfrakturen durch leitliniengerechte Therapie dramatisch reduziert werden, wie die Zahlen  zeigen. Zur Einordnung: Nur rund 45 Prozent der Patienten in Deutschland mit vorangegangener Fragilitätsfraktur erhielten eine osteoporosespezifische Folgetherapie1 – bei ständig steigenden Fallzahlen. „Für Frauen über 50 gehören osteoporotische Knochenbrüche zu den häufigsten Leiden, noch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs“, warnt Dr. Kelter: „Mit der zu erwartenden demografischen Entwicklung werden die Gesamtkosten für osteoporotische Frakturen noch weiter steigen. Schon Radiusbrüche können erste Hinweise sein. Zentrales Ereignis ist die Wirbelkörperfraktur.“

 

„Wir hoffen, auch im KNO bald die Stelle eines Case-Managers für Osteoporose
einrichten zu können.“
Dr. med. Erik Kelter

Aktive Osteoporose-Therapie

Experten bei einer KNO-Patientenveranstaltung (v. l.): Dr. med. Henning Kunter, Dr. med. Heinz Unger (beide Krankenhaus Köln-Kalk), Dr. med. Erik Kelter.

Um das Sturz- und Frakturrisiko zu minimieren, führt Bauerfeind Orthesen wie die Spinova Osteo in seinem Sortiment , die helfen, die Wirbelsäule stabil aufzurichten. Sie lassen sich gut in multimodale Therapiekonzepte integrieren und entsprechen den Empfehlungen der Leitlinie des Dachverbands Osteologie (DVO)2. Der Hersteller engagiert sich für Netzwerke wie das KNO und ist Partner der OSTEOLIGA, eines Zusammenschlusses des DVO und seiner ärztlichen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften mit Unternehmen der Industrie. Zudem unterstützt Bauerfeind Studien, die die Datenlage für die evidenzbasierte S3-Leitlinie ergänzen sollen (siehe hier). Welche aktive Rolle übernehmen die Hausärzte in der Osteoporose-Therapie als entscheidendes Glied in der Behandlungskette, auch in der KNO? Dr. Kelter muss nicht lange überlegen: „Patienten mit Osteoporose erkennen und sie über die Notwendigkeit einer diagnostischen Abklärung aufklären, ist der erste Schritt. Dann kommt es darauf an, Patienten mit Fragilitätsfrakturen und Risikoprofil aus der Klinik zu übernehmen und eine leitliniengerechte Therapie einzuleiten bzw. fortzuführen.“

Fracture Liaison Service

Die ganzheitliche Versorgung der Patienten muss koordiniert werden zwischen Krankenhaus und Facharztkollegen. Dabei könnte eine Nurse, eine speziell ausgebildete Pflegekraft , eine Schlüsselrolle einnehmen. Der sogenannte Fracture Liaison Service (FLS), aus den angloamerikanischen Ländern stammend, ist eine neue Möglichkeit , in Person etwa einer Krankenschwester oder verwandter Berufsgruppen die Koordinationslücke zu schließen. Außer in Hamburg und München existieren in Deutschland bisher nur wenige Netzwerke nach dem FLS-Vorbild. Erstaunlich, da doch ein großer Kosten-Nutzen-Vorteil durch das FLS-Modell bereits in den Ursprungsländern gezeigt werden konnte, ganz abgesehen vom vermeidbaren Leiden der Betroffenen. „Wir hoffen, auch im KNO bald die Stelle eines solchen Case-Managers für Osteoporose einrichten zu können“, gibt sich Dr. Kelter optimistisch. „Der große Vorzug unseres Netzwerks ist doch der: Wenn wir das eine Ziel – Frakturen adäquat behandeln – erreichen, bekommen wir das andere – zukünftige Frakturen verhindern – praktisch automatisch dazu.“ Dr. Kelter ist sich mit seinem treuen Krankenhauspartner Dr. Kunter einig: „Osteoporose und Tschüss darf es nicht mehr geben! Wir freuen uns über jeden neuen Kollegen in unserem Netzwerk.“

 

Weitere Informationen unter

www.osteoliga.de

DVO-Leitlinie 2017 zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen und bei Männern (Kitteltaschenversion); abzurufen unter:

www.dv-osteologie.org/dvo_leitlinien/dvo-leitlinie-2017

(Stand: 08.08.2018)

1 Peyman Hadji: Bone Evaluation Study (BEST), 2009.
2 Die aktuelle DVO-Leitlinie (2017) empfiehlt zur konservativen Therapie bei akuten stabilen osteoporotischen Wirbelsäulenkörperfrakturen: „Um eine schmerzarme Mobilisation zu ermöglichen, sollte die Versorgung mit einer wirbelsäulenaufrichtenden Orthese erwogen werden.“ (S. u. a.: Newman, M. et al.: Spinal Orthoses
for Vertebral Osteoporosis and Osteoporotic Vertebral Fracture:
A Systematic Review. Arch Phys Med Rehabil. 97, 1013–25. 2016.)

 

Bilder: Michael Bause


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Vernetzte Osteoporose-Therapie „Die Orthese ist ein extrem dankbares Hilfsmittel“

Dr. med. Henning Kunter ist Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Alterstraumatologie am Evangelischen Krankenhaus in …

Klinische Studie mit Spinova Osteo „Wir wollen die erreichbare Mobilisation objektivieren“

Eine aufwendige Studie an der Uniklinik Bonn zur Wirkung der Rückenorthese Spinova Osteo wird unter anderem von dem Wirbelsäulenchirurgen …

Multimodale Osteoporose-Therapie „Osteoporose ist komplex, aber beherrschbar“

Als Osteologe und Schmerztherapeut hat Dr. med. Peter Schorr vom vom Vitarium-Therapiecentrum in Schmelz und Dillingen/ Saar  einen umfassenden …