Kompressionsstrümpfe/ Messtechnologie

Valide Daten mit Bodytronic

Einsatz digitaler Messtechnik für medizinische Studien

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp An der Universitätsmedizin Rostock wurde der Einfluss von medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) auf die postoperative Beinschwellung nach Kniearthroskopie untersucht.

  • In der randomisierten Studie erhielt Gruppe eins postoperativ für zehn Tage MKS in Ccl 2, Gruppe zwei trug keine Strümpfe.
  • Die Kompressionsstrümpfe konnten postoperativ das Anschwellen der Beine signifikant reduzieren.
  • Die Volumen- und Umfangsmessung der Beine erfolgte mit Bodytronic 600. Das System misst schnell, exakt und risikofrei.
 

Moderne Messtechnik dient nicht nur zur passgenauen Hilfsmittelversorgung, sie ist auch ein verlässliches Instrument bei der Durchführung von Studien. An der Universitätsmedizin Rostock half das Messsystem Bodytronic 600 dabei, den Einfluss von Kompressionsstrümpfen auf die postoperative Beinschwellung nach Arthroskopie zu untersuchen.1

Prof. Dr. med. habil. Thomas Tischer, Professor für Prävention am Bewegungsapparat und Leiter der Sektion Sportorthopädie, Orthopädische Klinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Rostock.
Prof. Dr. med. habil. Thomas Tischer, Professor für Prävention am Bewegungsapparat und Leiter
der Sektion Sportorthopädie,
Orthopädische Klinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Rostock.

life: Wie sind Sie als Sportorthopäde mit digitaler Messtechnik in Berührung gekommen?

Prof. Dr. med. habil. Thomas Tischer: Hier an der Uni ist es unser ständiges Anliegen, bestehende Methoden zu überprüfen, zu verbessern und auch neue zu entwickeln. Ursächlich für meine Beschäftigung mit digitaler Messtechnik war die immer wiederkehrende Diskussion, ob Kompression nach arthroskopischen Eingriffen sinnvoll ist. Im Fokus steht da meist die Frage, ob man diese wirklich für die Antithromboseprophylaxe braucht oder ob man das Problem Thromboserisiko medikamentös lösen kann. Wir haben uns jedoch die Frage gestellt, was mit der postoperativen Schwellung passiert, wenn man auf eine Kompression verzichtet. Um dies zu beantworten, benötigten wir eine entsprechende Messtechnik.

Warum haben Sie sich für Bodytronic 600 entschieden?

Prof. Tischer: Der 3D-Körperscanner ist sehr einfach, schnell und kostengünstig zu nutzen und dabei risikofrei. In einer separaten Untersuchung2 konnten wir zeigen, dass die Messungen mit ­Bodytronic 600 sehr genau sind und eine hohe Reliabilität aufweisen. Eine Wasserplethysmographie wäre zu kompliziert, zudem kann man mit Bodytronic 600 gleichzeitig Volumen und Umfänge bestimmen. Auch mit Magnetresonanztomographie (MRT) lassen sich Umfang und Volumen zuverlässig messen, ihre Anwendung ist jedoch zeitaufwendig, teuer und nicht bei jedem Patienten anwendbar. Und eine Computertomographie (CT) liefert zwar präzise Daten, ist jedoch mit Röntgenstrahlung verbunden und steht somit für uns außer Frage.

Können Sie den Studienaufbau kurz erläutern?

Prof. Tischer: Wir haben Patienten, bei denen eine einfache ambulante Kniearthroskopie durchzuführen war, etwa bei Meniskusschaden, randomisiert in zwei Gruppen eingeteilt. Beide Gruppen erhielten 24 Stunden postoperativ eine Kompressionsbandagierung sowie niedermolekulares Heparin. Von den 19 in die Studie eingeschlossenen Patienten trugen elf für zehn Tage medizinische Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 (VenoTrain soft), die acht Patienten aus der Kontrollgruppe blieben ohne weitere Kompression. Messungen mit Bodytronic 600 fanden jeweils präoperativ sowie am ersten, vierten und zehnten postoperativen Tag statt. Damit wollten wir überprüfen, wie sich die postoperative Schwellung der Beine mit und ohne Kompressionsstrümpfe entwickelt. Darüber hinaus haben wir den Schmerz mittels visueller Analogskala abgefragt.

Welche Ergebnisse brachte die Studie?

Prof. Tischer: Durch die Messungen mit Bodytronic konnten wir signifikante Umfangsunterschiede zwischen den beiden Gruppen in der Mitte des Oberschenkels und am Knie an Tag zehn feststellen. In der Gruppe mit medizinischen Kompressionsstrümpfen (MKS) reduzierte sich das Volumen um 1,35 Prozent, dagegen nahm das Volumen in der Gruppe ohne MKS um 0,79 Prozent zu. Schon an Tag vier war ein signifikanter Trend bei den Umfängen an Knie und am mittleren Unterschenkel sowie beim Oberschenkelvolumen erkennbar. Tendenziell ging es denjenigen Patienten, die Kompressionsstrümpfe trugen, subjektiv empfunden besser und auch die Schmerzen waren in der Kompressionsstrumpfgruppe geringer, allerdings statistisch nicht signifikant.
Im Ergebnis zeigt die Studie, dass sich eine postoperative Schwellung der Gliedmaßen durch frühzeitiges Tragen von Kompressionsstrümpfen erheblich reduzieren lässt. Dies kann den anschließenden Rehabilitationsprozess verbessern. Optimalerweise sollten die Kompressionsstrümpfe zwischen drei und zehn Tagen getragen werden. Hier an der Universitätsmedizin Rostock werden wir das unseren Patienten auf jeden Fall empfehlen. Denn unabhängig davon, ob es positiv für die Thromboseprophylaxe ist oder nicht, können wir damit die Schwellung reduzieren und so die Rehabilitation fördern.

Durchschnittliche Veränderung (%) des Umfangs an verschiedenen Messpunkten nach der Arthroskopie in der Gruppe mit Kompressionsstrümpfen (MKS) und ohne Kompressionsstrümpfe.
Durchschnittliche Veränderung (%) des Umfangs an verschiedenen Messpunkten
nach der Arthroskopie in der Gruppe mit Kompressionsstrümpfen (MKS) und ohne Kompressionsstrümpfe.

Die Ergebnisse haben sie wahrscheinlich nicht überrascht, oder?

Prof. Tischer: Dass wir schon bei so kleinen arthroskopischen Interventionen so signifikante Unterschiede sehen, war gar nicht unbedingt zu erwarten. Es bedeutet, dass die Kompressionsstrümpfe selbst bei so geringen Eingriffen eine gute Wirkung zeigen. Sicherlich wäre das Ergebnis noch deutlicher ausgefallen, wenn man in der Kontrollgruppe auch noch auf die Kompressionsbandagierung am ersten postoperativen Tag verzichtet hätte. Doch mittlerweile wird fast überall nach einer solchen minimalinvasiven Behandlung standardmäßig einmal gewickelt und wir wollten den Standardfall als Vergleich haben.

Können Sie sich vorstellen, Bodytronic 600 auch für andere wissenschaftliche Projekte einzusetzen?

Prof. Tischer: Wir arbeiten aktuell damit an einer weiteren Studie. Da die Auswertung gerade läuft, wird nichts verraten. Es gibt sicherlich noch etliche interessante Fragestellungen, die sich mit Hilfe digitaler Messtechnik beantworten lassen. Bei manchen Vorhaben kommt man nicht an einem Schnittbildverfahren wie dem MRT vorbei. Beispielsweise dort, wo der Forschende wissen will, was genau im sub­kutanen Gewebe vorgeht. Aber dort, wo es um Volumen und Umfang geht, ist die ­Bodytronic-Messtechnik wirklich super.

1 Tischer et al: Impact of compression stockings on leg swelling after arthroscopy – a prospective randomised pilot study. https://doi.org/10.1186/s12891-019-2540-1
2 Tischer et al: Measuring lower limb circumference and volume – introduction of a novel optical 3D volumetric measurement system. https://doi.org/10.1515/bmt-2018-0100 (2019)

Bilder: Andreas Wetzel, Prof. Dr. Thomas Tischer, Bauerfeind

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