Kurz & knapp Beim Bauerfeind Lymphology Atelier in Weimar präsentierten drei Referenten aus Italien die lange Tradition der lymphologischen Forschung ihres Landes. Dr. Sabrina Brambilla (Mailand) thematisierte häufig übersehene Lymphödeme nach Knie-TEP (Totalendoprothese) und plädierte für eine frühzeitige lymphologische Abklärung und komplexe physikalische Entstauungstherapie. Dr. Alberto Macciò (Savona) zeigte den Stellenwert von Kompressionsverbänden auch bei komplexen Verläufen auf. Dr. Katia Boemia (Neapel) unterstrich die Bedeutung einer adäquaten Vorbehandlung von Patienten mit Lympherkrankungen vor Beginn der Erhaltungstherapie mit Kompressionsmitteln. Diese sei von zentraler Bedeutung, um dem Patienten durch den Einsatz flachgestrickter Kompressionsversorgungen den vollen therapeutischen Nutzen sowie eine optimale Passform und Tragekomfort zu garantieren – beides entscheidende Faktoren für eine hohe Therapieadhärenz.
Lymph- und Lipödem·Kompressionsstrümpfe
Die Power der Kompression
Behandlungsstandard bei der Lymphödemtherapie in Italien
Von Bauerfeind Life am 27.05.2026
Kompression gehört auch in Italien zum Behandlungsstandard bei
Lymphödemen. Sowohl nach elektiven Eingriffen am Knie als auch
bei schwersten Komplikationen tragen moderne
Kompressionsprodukte ganz wesentlich zum Behandlungserfolg
bei. Die Bandbreite der Einsatzbereiche stellten drei Lymphologie-
Experten aus Savona, Mailand und Neapel vor.
In seiner auf komplexe Fälle spezialisierten Facharztpraxis
behandelt der Lymphologe und Phlebologe Dr. Alberto Macciò
häufig Patienten mit therapierefraktären Beschwerden und
gravierenden Komplikationen. Bereits im zweiten Jahr in Folge
nahm er das Fachpublikum im Lymphology Atelier mit in die Welt
schwerer Erkrankungen des Lymphsystems, wie die trunkuläre
und retikuläre Lymphangitis sowie lymphatische Ulzera.

Für einen erfolgreichen therapeutischen Ansatz, so Dr. Macciò, sei
es entscheidend, ein bestimmtes Verständnis zu entwickeln: Die
Lymphologie befasst sich mit der „Infrastruktur des
Immunsystems“. Versteht man die immunologische Leistung des
Lymphsystems, lassen sich in Folge auch Exazerbationen adäquat
und mit gutem Ergebnis behandeln. Mit zahlreichen Fällen aus
seiner fachärztlichen Praxis veranschaulichte Dr. Macciò die
Relevanz der richtigen Wundpflege, warnte aber auch vor dem
zwar angebrachten, gleichwohl aber oft übermäßigen Einsatz von
Antibiotika. Wie wichtig Kompression ist, unterstrich Dr. Alberto
Macciò mit der prägnanten Formel „the power of the bandage“.
Die Anwendung von mehrlagigen Kompressionsverbänden hat sich
beispielsweise bei Ulzera bewährt, so Dr. Macciò. Es sei aber
unbedingt auf einen hohen SSI (static stiffness index) zu achten.

Dr. Macciò unterstrich zudem die Bedeutung eines ganzheitlichen
Ansatzes in der Lymphologie, der über die reine Volumenreduktion
hinausgeht und auch die immunologische Leistung des
Lymphsystems sowie das lymphatische Mikromilieu
berücksichtigt. Dabei hob er die Notwendigkeit objektiver
Kontrollen und einer strukturierten Therapieplanung beim
Übergang von der Entstauungs- zur Erhaltungsphase hervor.
Abschließend wies Dr. Macciò auf die Bedeutung der objektiven
Volumenmessung mittels dreidimensionaler Technologien hin –
Instrumente, die mittlerweile auch in internationalen Leitlinien
anerkannt sind und eine präzisere Steuerung des Übergangs von
der intensiven Entstauungsphase hin zur Erhaltungsphase
ermöglichen.
Therapeutische Effekte hochwertiger Kompression
An das Thema Kompressionsverbände schloss Dr. Katia Boemia
an, sie arbeitet am Centro di Cura per il Linfedema e Lipedema in
Neapel. Die Lymph- und Physiotherapeutin Dr. Boemia erläuterte
anhand zahlreicher Fallbeispiele die Bedeutung der
Erhaltungstherapie mit hochwertiger flachgestrickter
Kompressionsversorgungen, beispielsweise VenoTrain curaflow in
Form von Strumpfhosen, Armstrümpfen, Leggins, Shorts und
Zehenkappen. Diese Therapieform kann erst eingeleitet werden,
wenn das betroffene Gliedmaß durch manuelle Behandlungen
bereits eine Volumenreduktion von 70 Prozent im Vergleich zur
kontralateralen Extremität erreicht hat. Dr. Boemia betonte überdies den Stellenwert einer guten Interaktion mit den Patienten,
da diese Einfluss auf deren Therapieadhärenz habe.

Behandlung von Lymphödemen nach Knie-TEP
Mit einem in der orthopädischen Praxis häufig anzutreffenden
Befund setzte sich Dr. Sabrina Brambilla auseinander, nämlich dem
Lymphödem nach vollständigem Kniegelenkersatz und der
komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) in der
Rehabilitation. Dr. Sabrina Brambilla präsentierte als ärztliche
Leiterin der Fachabteilung für Gefäßchirurgie der Zucchi-Klinik
sowie des Zucchi Linfedema Centers einige aktuelle Studien zu
diesem Thema. Neuere Untersuchungen belegen eine Prävalenz
von Lymphödemen von fünf bis 25 Prozent bei Patienten nach
Knie- oder Hüftgelenkersatz, insbesondere bei solchen mit
vaskulären oder lymphatischen Vorerkrankungen. Postoperative
Ödeme stellen eine geläufige Folge eines chirurgischen Eingriffs
dar, persistieren jedoch in manchen Fällen und verursachen
Gelenksteifigkeit, Schmerzen oder Infektionen und führen zu einer
verlängerten Rehabilitationsdauer. Da Ödeme nach einer Knie-TEP
nicht ungewöhnlich und durchaus zu erwarten sind, entgehen sie
häufig dem diagnostischen Blick. Erschwerend, so Dr. Sabrina
Brambilla, komme hinzu, dass das Wissen um Lymphödeme in
Rehabilitation und Orthopädie generell eher unzureichend sei.
Somit komme es zu einer um durchschnittlich mehr als zwölf Monate verzögerten Diagnose, wie europäische Multicenter-
Studien zeigten. Wenn ein Ödem länger als sechs Wochen bestehe,
an Festigkeit zunehme und generell der Erfolg der Rehabilitation
unter dem zu erwartenden Standard liege, sei eine lymphologische
Beurteilung geboten. Zu den Risikopatienten gehörten solche mit
einem BMI ≥ 30, nach Bestrahlung, nach Lymphknotenentfernung
oder mit chronisch-venöser Insuffizienz. Lokalisiert seien die
Lymphödeme am häufigsten prätibial oder popliteal.

Für Dr. Brambilla ist die KPE die Therapie der ersten Wahl, da diese
verschiedene Aspekte der Erkrankung anspricht. Eine
randomisierte Studie zeigte, dass Kriterien wie Beugungswinkel,
Schmerzempfinden oder Volumenabnahme deutlich von einer KPE
profitieren, und eine eigene Vorstudie an 24 Patienten in drei
Gruppen kam zu vergleichbaren Ergebnissen. Dabei gab es eine
Gruppe mit konventioneller Physiotherapie plus
Mehrlagenkompressionsverbände, eine Gruppe mit konventioneller
Physiotherapie plus manueller Lymphdrainage (nach Vodder/Földi)
sowie eine Kontrollgruppe. Sowohl die Kompressionsverband- als
auch die Massagegruppe zeigten gegenüber der Kontrollgruppe
einen signifikanten Volumenrückgang. Auch die funktionale
Wiederherstellung profitierte von der KPE: Der aktive wie auch der
passive Beugungsumfang waren größer als in der Kontrollgruppe,
insbesondere in der Kompressionsverbandgruppe. Die KPE sollte
folglich, schloss Dr. Sabrina Brambilla ihren Vortrag, als Ergänzung zur klassischen Physiotherapie nach Knie-TEP empfohlen werden.
Medizinhistorisch Interessierte nahmen von diesem Kurztrip nach
Italien noch eine kleine Randnotiz mit: Dr. Alberto Macciò hat in
seinem Museo delle Storie della Medicina in Savona einen ganzen
Raum dem Thema „Geschichte der Lymphologie“ gewidmet
(Kontakt über die Website storiedellamedicina.com).
Bilder: Andreas Wetzel, Bauerfeind AG, Shutterstock
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