Lymph- und Lipödem·Kompressionsstrümpfe

Die Kräfte bündeln

Multidisziplinäre Lymphödemtherapie in Belgien

Von Bauerfeind Life am 02.06.2026

Kurz & knapp Für multidisziplinäre Lymphteams in der Ödemtherapie machte sich Prof. Dr. Bram Balduyck aus Belgien beim Bauerfeind Lymphology Atelier in Weimar stark. Zu solchen Teams gehören neben Arzt und Patient auch Physiotherapeuten und Orthopädietechniker. Aber auch Psychologen oder Ernährungsberater können einbezogen werden. Nicht unterschätzt werden darf die Motivation der Patienten. Um diese zu erhalten und zu stärken, sei es wichtig, auf individuelle Faktoren einzugehen, die die Therapieadhärenz gefährden könnten. Abschließend warf der Gefäß- und Thoraxchirurg noch einen Blick in die Zukunft, wo sich in der Onkologie ein immer besseres Verständnis für die Bedeutung der Lymphknoten für den Erfolg einer Immuntherapie entwickelt.

Für den Erfolg einer Lymphödemtherapie ist das Zusammenspiel
vieler Fachgebiete nötig. Welche das sind, erläuterte der belgische
Gefäßchirurg Prof. Dr. Bram Balduyck im Lymphology Atelier. Nicht
zuletzt haben die Patienten eine wichtige Rolle, denn mit ihrer
Motivation für eine lang andauernde Behandlung und ihrer
Therapieadhärenz steht und fällt alles.

Lymphologie ist Teamarbeit. Dies betonte der belgische Gefäß- und
Thoraxchirurg Prof. Dr. Bram Balduyck. Wer zu diesem Lymphteam
gehört, beschrieb er in seinem Vortrag „Die Bedeutung der
multidisziplinären Zusammenarbeit in der Behandlung von
(Lymph-)Ödem-Patienten“. Erfahrungshintergrund seiner
Ausführungen ist seine Tätigkeit in der auf Ödempatienten
spezialisierten Decockliniek in Willebroek.

Beim Lymphödem unterscheiden Mediziner vier aufeinanderfolgende Phasen, die den Verlauf und die Intensität der Erkrankung kennzeichnen. Das Spektrum reicht von ersten, äußerlich noch nicht wahrnehmbaren Veränderungen ohne Beschwerden bis hin zu ausgeprägten, dauerhaft bestehenden Schwellungen und verhärtetem Gewebe in der schwersten Phase.

Die erste Gruppe von Teammitgliedern sind die Ärzte. Aber welche
Ärzte sind das, fragte der Referent, und beantwortete die Frage
sogleich: vornehmlich Gefäßchirurgen, von denen es in Belgien
etwa 320 gibt, jedoch nur etwa 15 mit einer Spezialisierung auf
Lymphologie. Eine erfolgreiche Behandlung aber, so der Referent,
steht und fällt mit der richtigen Diagnose. Zu viele Fälle werden als
primäres Lymphödem eingestuft. Er und seine Kollegen müssten
dies bei vielen Patienten korrigieren und sie dem sekundären
Lymphödem zuordnen, so Dr. Balduyck. Ebenso komme es darauf
an, die Patienten phasengerecht einzustufen, denn ein Patient in
Phase I ist nicht dasselbe wie ein Patient in Phase IV.

„Eine erfolgreiche Behandlung steht und fällt mit der richtigen Diagnose. Zu viele Fälle werden als primäres Lymphödem eingestuft.“

Prof. Dr. Bram Balduyck

Auf Kontraindikationen achten
Physiotherapeuten stellen die zweite Gruppe im Lymphteam. In
Belgien, so Dr. Balduyck, gibt es etwa 1.500 Physiotherapeuten,
doch nur wenige mit Spezialisierung auf Ödemtherapie – und
diese wenigen seien schwer zu finden. Zum allergrößten Teil
arbeiten die Physiotherapeuten mit der Vodder-Methode, Leducund
Belgrado-Methode sind wesentlich weniger vertreten.

Zum Entstauen der Lymphgefäße arbeiten Physiotherapeuten in Belgien vornehmlich nach der Vodder-Methode.

Mit den Bandagierungsexperten benannte Dr. Balduyck die dritte
Gruppe des Teams. Sofern sie von einem Facharzt verordnet sind,
werden Kompressionsstrümpfe der Klassen III und IV bis zu 80
Prozent von der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet, bei
unter 15-Jährigen auch Strümpfe der Klasse II. Patienten können
maximal vier Paare pro Jahr verordnet bekommen.

Was hinter schlechter Compliance steckt
Schließlich wandte sich Dr. Balduyck der größten Gruppe im Team
zu: den Patienten. Zunächst fragte er nach den Gründen für Non-
Compliance mit Kompressionsstrümpfen und fasste diese Gründe
in fünf Clustern zusammen: körperliche Einschränkungen (Kraft,
Alter, Übergewicht), mangelndes Verständnis für die Therapie und
deren Dauer, Unbequemlichkeit (Juckreiz, Wärmegefühl, schlechte
Passform), finanzielle Aspekte sowie psychosoziale Gründe wie
etwa das Aussehen.

Thorax- und Gefäßchirurg Prof. Dr. Bram Balduyck arbeitet unter anderem an der Decockliniek Belgium, einem Zentrum in Willebroek und Deurne in Belgien, in dem Lymphödempatienten multidisziplinär versorgt werden.

In ihrer Wichtigkeit oft unterschätzt sind die Schuhe. Doch neben
der Schwierigkeit, überhaupt passende und passabel aussehende
Schuhe zu finden, kann schlechtes Schuhwerk auch Gang und
Haltung der Patienten beeinträchtigen und zu einer
Verschlimmerung des Ödems führen. Es sollte also, betonte Dr.
Balduyck, für Ödempatienten durchaus auch eine
Fußgewölbestütze in Betracht gezogen werden.

„Schlechtes Schuhwerk kann auch Gang und Haltung der Patienten beeinträchtigen und zu einer Verschlimmerung des Ödems führen. Es sollte also für Ödempatienten durchaus auch eine Fußgewölbestütze in Betracht gezogen werden.“

Prof. Dr. Bram Balduyck

Ein unklares Verhältnis zum Sport zeigt sich in der Fachliteratur. Es
werde immer nur abgeraten, führte der Referent aus: kein Laufen
auf hartem Untergrund, kein Rudern, keine Sit-ups, kein
Liegestütz, Tennis oder Basketball auf keinen Fall … Doch es
fehlen die positiven Empfehlungen. Gerade vor dem Hintergrund
einer lange andauernden Lymphödemtherapie sei es aber wichtig,
die Motivation der Patienten zu erhalten, und Sport könne dazu
beitragen, habe aber auch positiven Einfluss auf das
Gewichtsmanagement. Er und seine Kollegen empfehlen
Schwimmen, Nordic Walking, Radfahren und Yoga – immer mit
dem Hinweis, auf ausreichendes Trinken zu achten, sich gut aufzuwärmen und die Belastung nicht zu übertreiben. Offen sei –
er richtete dies auch als Frage an die Anwesenden –, ob die
Patienten die Kompressionsstrümpfe beim Sport tragen sollen oder
nicht. In der Praxis entscheide sich das am Einzelfall, eine
eindeutige Vorgabe gebe es nicht.

Bei medizinischen Kompressionsstrümpfen, wie VenoTrain curaflow, sind neben der therapeutisch wirksamen Kompression auch Passform und Optik für die Patienten-Compliance ausschlaggebend.

Die Zukunft der Lympödemtherapie
Abschließend wandte sich Dr. Bram Balduyck der Zukunft der
Lymphödemtherapie zu und beschrieb zwei Perspektiven. Die eine
fokussiert auf die beschriebene multidisziplinäre Zusammenarbeit
im Lymphteam, dem auch Ernährungsberater und Psychologen
angehören können – ein Konzept, mit dem man an der
Decockliniek gute Erfahrungen mache. Die zweite Perspektive gilt
aktuellen Entwicklungen in der Onkologie, wo bei bestimmten
Krebsarten häufig Immuntherapie zum Behandlungskonzept
gehöre. Das Wissen um die Bedeutung der einst rigoros entfernten
Lymphknoten sei größer geworden. Man verstehe zunehmend
besser, dass die Entfernung von Lymphknoten den Erfolg einer
Immuntherapie beeinträchtigt, da die Immunantwort geschwächt
wird. Der Erhalt der tumorfreien Lymphknoten hat also nicht nur
einen günstigen Einfluss auf die Krebsbehandlung, sondern kann
überdies auch die Entwicklung von sekundären Lymphödemen
verhindern. „There is something big happening at the moment“,
betonte Dr. Balduyck.

Bilder: Andreas Wetzel, Bauerfeind AG, AdobeStock

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