Kompressionsstrümpfe·Lymph- und Lipödem

Vereinen und fördern

Neu im Amt

Von Bauerfeind Life Magazin am 14.03.2024

Kurz & knapp Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) ist am 1. Januar 2023 aus der Verschmelzung der früher eigenständigen Fachgesellschaften hervorgegangen. Ihr Präsident ist PD Dr. Dominic Mühlberger, Gefäßchirurg und Chefarzt am Marien-Hospital in Herne. Die interdisziplinäre Arbeit steht im Fokus.

  • Die Gefäßmedizin ist zwar im Vergleich mit anderen Fachgebieten klein, arbeitet jedoch an zahlenmäßig hochrelevanten Krankheiten, beispielsweise Thrombose.
  • Die DGPL will Austausch und Zusammenarbeit der beiden Fachdisziplinen Phlebologie und Lymphologie fördern.
  • Die zunehmend akademisierten Berufsfelder Lymph- und Physiotherapie können nun besser in die wissenschaftliche Community einbezogen werden.
  • Für Patienten ergibt sich aus der Vernetzung konkreter Nutzen, beispielsweise durch Aufklärung oder eine Online-Arzt- und Therapeutensuche.
  • Durch Kongresse und Fachtagungen sollen Begegnungen ermöglicht und neue Forschungsthemen entwickelt werden.
  • Eine gesteigerte Awareness für Gefäßkrankheiten soll „Volkskrankheiten“, wie Krampfadern und Thrombosen, den angemessenen Stellenwert in Forschung und Behandlung zuweisen.

Die Gefäßmedizin ist mehr denn je ein interdisziplinäres Fach. Dafür setzt sich PD Dr. Dominic Mühlberger ein, neu gewählter Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL). Als Gefäßchirurg und Chefarzt am Marien-Hospital in Herne kann er seine klinische Praxis in die Verbandsarbeit einbringen.

life: Mit welchen Prioritäten gehen Sie Ihr neues Amt an?

Dr. Mühlberger: Mir ist es wichtig, den Nachwuchs zu fördern und die Phlebologie und Lymphologie für junge Ärzte attraktiv zu machen. Ich möchte den Verschmelzungsprozess der Phlebologen mit den Lymphologen fortführen und unseren Austausch intensivieren. Und schließlich möchte ich auch international zeigen, dass wir in Deutschland eine sehr starke Community haben und gute Arbeit leisten.

Wie läuft die Zusammenarbeit in der DGPL?

Dr. Mühlberger: Wir sind ein sehr junges Team, gerade auch im Vorstand und im wissenschaftlichen Beirat mit vielen lymphologisch tätigen Kolleginnen und Kollegen. Das ist gut. Diese Synergien müssen jetzt über Arbeitsgemeinschaften wachsen. Schließlich interessieren sich alle für eines: phlebologisch und lymphologisch tätig zu sein. Unsere Vereinigung hat außerdem viele engagierte Lymph- und Physiotherapeuten dazugewonnen. Von diesem Austausch profitieren wir Ärzte, aber am meisten die Patienten.

Was können Patienten von der Arbeit der DGPL außerdem erwarten?

Dr. Mühlberger: Unser oberstes Ziel ist es, Alertness zu schaffen. Damit meine ich eine höhere Wach- und Aufmerksamkeit für Erkrankungen, die häufig in der Bevölkerung vorkommen und zum Teil für eine hohe Mortalität verantwortlich sind, wie bei thromboembolischen Ereignissen, oder durch einen späten Therapiebeginn zu hohen Kosten für das Gesundheitssystem führen, wie beim Ulcus cruris. Deshalb wünsche ich mir, dass wir auch noch mehr Hausärzte zum Mitarbeiten gewinnen. Sie sind eine wichtige Säule in der Medizin und erster Ansprechpartner für die Patienten.

Welche Top-Themen gibt es aktuell für die Praxis?

Dr. Mühlberger: Unser Fach ist innovativ und es ist viel in Bewegung. Ich denke da an die interventionelle Therapie bei tiefen Beinvenenthrombosen oder die neuen endoluminalen Verfahren in der Varizenchirurgie. Es tut sich viel in der Lymphchirurgie mit den neuen Möglichkeiten am Operationsmikroskop mit lymphovenösen Anastomosen oder mit Lymphknotentransplantationen. Wir wissen mehr über das pelvine Stauungssyndrom, eine bisher fast unbekannte und unterdiagnostizierte Krankheit, die aber phlebologisch gut therapierbar ist.

Gibt es Neuigkeiten aus dem Bereich der Kompressionstherapie?

Dr. Mühlberger: Da hat sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich viel getan. Zum Beispiel haben wir gelernt, dass die starre Zuordnung der Kompressionsklassen zu Indikationen nicht sinnvoll ist. Wir verwenden jetzt die Kompressionsklasse, die am wirkungsvollsten erscheint. Das kann dann auch die Klasse 1 sein.

Und welche großen Themen stehen in der Forschung an?

Dr. Mühlberger: Wir benötigen Forschung für das Lipödem und das pelvine Stauungssyndrom und, so hoffe ich, viel mehr Grundlagenforschung zu chronisch-venösen Erkrankungen. Mit den Lymph- und Physiotherapeuten haben wir unser Spektrum erweitert. Diese Berufe werden immer mehr akademisiert und auch von dieser Seite wird sich also einiges tun. Hier können wir ansetzen und die Lymphtherapie in die wissenschaftliche Community holen.

Die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) ist am 1. Januar 2023 aus der Verschmelzung der früher eigenständigen Fachgesellschaften hervorgegangen. Die diesjährige Jahrestagung findet unter dem Motto „Wissenschaft trifft Praxis“ von 2. bis 5. Oktober im Konzerthaus in Freiburg statt. Mehr Infos: www.phlebology.de

Bilder: St. Elisabeth Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr

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