Für Ärzte und Partner im Gesundheitswesen Informationen für Patienten finden Sie hier.

Der Therapeut „Ohne Propriozeption kein präventives Training“

Ausgabe 03/2010

Klaus Eder ist seit 1988 Physiotherapeut der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Seit 1984 betreut er Athleten bei den Olympischen Spielen, 2004 übernahm er die physiotherapeutische Leitung der deutschen Olympiamannschaften.

Klaus Eder ist seit 1988 Physiotherapeut der Fußballnationalmannschaft. Seit 2004 hat er die physiotherapeutische Leitung der deutschen Olympiamannschaften inne.
Klaus Eder ist seit 1988 Physiotherapeut der Fußballnationalmannschaft. Seit 2004 hat er die physiotherapeutische Leitung der deutschen Olympiamannschaften inne.

„Die Erkenntnis, dass im Leistungssport Propriozeption bzw. propriozeptives Training einen entscheidenden Stellenwert besitzt, setzt sich mehr und mehr durch. Propriozeptives Training spricht vermehrt sensomotorische Vorgänge an. Es ist gleichzeitig Prävention und damit wesentlicher Bestandteil jedes Athletik-Trainings. Je besser peripheres und zentrales Nervensystem mit den Propriorezeptoren, vor allem mit den intraartikulären, verschaltet sind, desto höher der Verletzungsschutz. Zwar können die Zeiten, innerhalb derer Verletzungen auftreten – 20 Millisekunden etwa bei einer Supination –, mit dem eigenen Schutzreflex nicht erreicht werden, jedoch verhindert die propriozeptive Fitness Schlimmeres. Die Olympischen Spiele in Vancouver und die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika haben gezeigt, dass Verletzungen meist nur noch aus Fremdeinwirkungen resultieren. In Südafrika haben wir uns Knie- und Sprunggelenkbandagen von Bauerfeind einfliegen lassen. Sie rekrutieren Exterorezeptoren in der Haut sowie Rezeptoren in darunter­liegenden Strukturen. Diese Informationen werden über die intraartikulären Nerven an das Gelenk übermittelt. Neben dem mechanischen Stabilisierungseffekt wird somit das propriozeptive Feedback erhöht.

Fuß im geometrischen Mittelpunkt

Um in der Akutphase einer Verletzung die Propriozeption wieder zu aktivieren, muss der Physiotherapeut zunächst den Kompressions­stress in den beteiligten neurovaskulären Strukturen beseitigen. Nur wenn diese pro­priozeptiven Bahnen durchgängig sind, kann mit der Rehabilitation begonnen werden. Generell erleben konservative Therapieansätze im Zusammenhang mit Propriozeption eine Renaissance. In der physiotherapeutischen Praxis ist eine geschlossene kinematische Übungsabfolge wichtig: Schnelles Drehen auf festem Untergrund sendet stimulierende Impulse an das Gelenk. Ein weicher Untergrund würde in dieser Phase nur Irritation statt Propriozeption bewirken. Später kann dann der Wechsel auf Wackelplatte oder Weichgummimatte stattfinden. Entscheidend für die Gewinnung von Stabilität ist der Aufbau der Becken-Bein-Achse von unten. Wenn der Fuß mit seiner Vielzahl an Gelenken nicht im geometrischen Mittelpunkt steht, müssen Knie, Hüfte oder das ISG dies kompensieren. Hier können Bandagen und Orthesen helfen. Ziel des Heilungsprozesses muss allerdings immer die eigene neuromuskuläre Steuerung sein.“

 

Bilder: Conny Kurz, Fotolia.com/only4denn