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Der Innungsverbandschef „Wir sollten gemeinsam von diesem Wust wegkommen“

Ausgabe 01/2011

Klaus-Jürgen Lotz nahm aus Sicht der Innungen Stellung zur Frage, wie in Zukunft die Verträge zwischen gesetzlichen Krankenkassen und Leistungserbringern ebenso wirtschaftlich wie lebbar gestaltet werden können. Er ist Vizepräsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik.

Meines Erachtens sichern die Verträge im Hilfsmittelbereich – eine vernünftige Gestaltung vorausgesetzt – mittelfristig die Planungssicherheit der Unternehmen unserer Branche. Bei 172 Verhandlungsterminen in dieser Sache, die ich 2009 quer durch die Republik wahrgenommen habe, erlebte ich allerdings auch Vieles, was ich weniger als Verhandlung denn als Vertragsdiktat bezeichnen würde. Statt eines Gesprächs darüber, wie die Patientenversorgung wieder in den Fokus gerückt werden kann, gibt es einen ausgefüllten Vertrag mit teilweise absurden, für unsere Innung weder nachvollziehbaren noch unterschriftsfähigen Inhalten. Darüber hinaus ist die Zahl von deutschlandweit 140 verschiedenen Rahmenverträgen eindeutig zu hoch. Wenn wir es gemeinsam mit den Kostenträgern und der Politik schaffen, von diesem Wust, den eigentlich weder die Kassen- noch die Leistungserbringerseite will , wegzukommen, wären wir einen Schritt weiter. Man darf nie vergessen, dass wir zwar auf unterschiedlichen Seiten des Zauns sitzen, aber über den gleichen zur Verfügung stehenden Geldtopf reden.

Leistungen adäquat vergüten

Im Gesundheitswesen wie überall sonst auch leben wir deutlich über unseren Verhältnissen. Deshalb ist ein wesentlicher Faktor bei der Gestaltung von Kassenverhandlungen die Frage, wo die Leistung der gesetzlichen Krankenkassen heutzutage anfangen und wo sie aufhören soll. Es erscheint mir beispielsweise absurd, wenn ein Patient, der eine Knieorthesen- oder Kniebandagenversorgung bekommen soll, zunächst einmal äußerst kostspielig 15-mal diagnostiziert, geröntgt und mittels CT und MRT untersucht wird, und dann seitens des Kostenträgers gefordert wird, dass die Kniebandage, die schon in den letzten zehn Jahren 30 Prozent Preisverfall erlebt hat, jetzt noch 20 Prozent billiger werden soll, weil dafür ansonsten kein Geld mehr da sei. In unseren Verhandlungen sollten wir wegkommen vom Ist-Status ,Mehr Leistung, weniger Geld‘, sondern stattdessen eine bestimmte Leistung definieren, die die Kassen den Versicherten zukommen lassen und die sie auch adäquat vergüten wollen. Unsererseits haben wir versucht, Leistung und Qualität transparent zu machen, damit wir darüber reden können, welcher Leistung man welchen Preis gegenüberstellen kann. Auf diese Weise können wir Verträge so gestalten, dass sie lebbar sind, dass die Patienten sicher und adäquat versorgt werden können und dass die Betriebe immer noch wirtschaftlich arbeiten können. Darüber hinaus müssen wir uns in Zukunft verstärkt mit Versorgungskonzepten befassen und festlegen, wer welche Dienstleistung erbringen soll. Auch der Sanitätsfachhandel und der Orthopädietechniker werden sich mit neuen, strukturellen Wegen beschäftigen müssen.“

Bilder: Bauerfeind


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