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curaflow: die App für Lymphpatienten Die Lymphe in Bewegung bringen

Ausgabe 03/2020

Aus eigener Erfahrung weiß Annette Dunker, wie wichtig für Lymphpatienten gezielte Informationen, das richtige Entstauen und Bewegung sind. Um anderen Betroffenen zu helfen, hat Deutschlands erste lizensierte Fachübungsleiterin im ambulanten Rehabilitationssport für Lymphentstauungsgymnastik zusammen mit Bauerfeind ein digitales Bewegungsprogramm auf die Beine gestellt.

Annette Dunker, Jahrgang 1965, ist Fachübungsleiterin im ambulanten Rehabilitationssport für Lymphentstauungsgymnastik und engagiert sich stark in der Lymphselbsthilfe.
Annette Dunker, Jahrgang 1965, ist Fachübungsleiterin im ambulanten Rehabilitationssport für Lymphentstauungsgymnastik und engagiert sich stark in der Lymphselbsthilfe.

Mit nur 41 Jahren erhielt Annette Dunker 2007 die Diagnose Mammakarzinom, rechts. Es folgte das damals übliche Programm: brusterhaltende OP mit Entfernen der Lymphknoten in der rechten Achsel, Medikamente, Chemotherapie und Bestrahlung. „Anschließend bekam ich keinen ,klassischen‘, also einseitigen Lympharm, sondern es liefen gleich beide Arme voll. Daher war kein Unterschied zu sehen und man hat mich zunächst als Hypochonder abgestempelt“, erinnert sie sich. Lymphdrainage? Fehlanzeige. Selbst als auch die Beine immer dicker wurden. Annette Dunker kam von einer Klinik in die nächste, selbst stationäre Rehamaßnahmen brachten keine Verbesserung.

Der persönliche Wendepunkt

„Erst zwei Jahre später, als ich einen Rentenantrag gestellt hatte, wurde ich von der Rentenversicherung in die Ödemklinik Bad Nauheim geschickt. Das war das Beste, was mir passieren konnte“, so die heute 55-Jährige. Denn erst dort erhielt sie die Diagnose sekundäres Lymphödem und die dafür angemessene Behandlung. „Von komplexer physikalischer Entstauungstherapie (KPE) hörte ich dort auch zum ersten Mal.“ Ab da sog Annette Dunker alle Informationen zur Lymphtherapie auf, die sie nur bekommen konnte. Sie erhielt Lymphdrainage, trug und trägt Kompression. „Mittlerweile ist noch ein idiopathisches Ödem am Rest des Körpers hinzugekommen, daher bin ich mit Strumpfhose, Thorax-, Arm- und Handversorgung bestrumpft.“ Und sie macht viel Sport. „Der hat schon immer zu meinem Leben gehört“, erzählt Annette Dunker, die in ihrer Jugend den Übungsleiter für Breitensport gemacht hat. Nach ihrer Erkrankung absolvierte sie zuerst die Ausbildung für den ambulanten Rehabilitationssport für die Fachbereiche Orthopädie und Krebsnachsorge. Vor zwölf Jahren schloss sie den Fachübungsleiter für Rehabilitationssport Innere Medizin und Neurologie ab und hat schließlich seit 2013 die Erlaubnis zum Anleiten von ambulantem Rehabilitationssport für Lymphödempatienten erlangt, lizensiert vom Deutschen Olympischen Sportbund zusammen mit dem Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen e.V. „Inzwischen habe ich schon weitere Übungsleiter fortgebildet, doch das Angebot für Patienten ist noch sehr punktuell. Umso wichtiger sind andere Informations- und Anleitungsformate – wie curaflow, die App für Lymphödempatienten“, betont sie.

Die Bauerfeind-Bewegungsmentorin zeigt in der App curaflow die Entstauungsübungen „Orientalischer Armtanz“, „Skifahren Langlauf“ und „­Obstpflücken im Stehen“ (von links).
Die Bauerfeind-Bewegungsmentorin zeigt in der App curaflow die Entstauungsübungen „Orientalischer Armtanz“, „Skifahren Langlauf“ und „­Obstpflücken im Stehen“ (von links).

Hilfreicher Begleiter durch die Therapie

Gemeinsam mit Bauerfeind hat Annette Dunker das Bewegungsprogramm für die Anwendung konzipiert und hilfreichen Input gegeben. „Die App ist eine Mischung aus Hintergrundinfos und Angeboten, selbst aktiv zu werden“, erklärt sie. „Wichtig war dabei, alle Säulen der KPE abzubilden, denn ein Element allein würde nicht zum Erfolg führen. Großes Augenmerk haben wir auf die Entstauungsgymnastik gelegt, denn die Lymphe muss in Bewegung kommen.“ Gemeint sind fließende Bewegungen in Abflussrichtung des Lymphsystems, die die Entstauung unterstützen sollen. „Unser Ziel ist es, die gestaute ­eiweißreiche Ödem­flüssigkeit zu mobilisieren und über die Lymphbahnen abzuleiten, auch über solche die davor weniger genutzt wurden. Der Körper soll dazu angeregt werden, diese ‚Nebenbahnen‘ zu aktiveren und außerdem verhärtetes und vernarbtes Gewebe zu erweichen“, so Annette Dunker. „Das Ganze natürlich am besten in Kompression, denn diese entfaltet ihre beste Wirkung in Bewegung.“
Gezeigt werden in der App beispielsweise einfache Muskelkontraktionen für Arme und Hände oder Armbewegungen in Form einer liegenden Acht. Insgesamt wird der gesamte Körper durch die Übungen aktiviert. „Dabei gilt es, den richtigen Rhythmus zu finden. Die Lymphe ist träge, für einen optimalen Abfluss sollte man die Bewegungen weder zu schnell noch zu langsam ausführen.“ Auch beim richtigen Tempo helfen die Anleitungsvideos der App. „Wir haben bei den Übungen zudem darauf geachtet, dass man nicht viel Platz dafür benötigt und mit haushaltsüblichen Gegenständen trainieren kann“, berichtet die Sporttherapeutin für Rehabilitation. „Es gibt Übungen im Sitzen und im Stehen oder für wenige Schritte. Wir fangen so moderat an, dass wirklich jeder mitmachen kann. Und wer unterfordert ist, kann öfter am Tag trainieren.“ Auch sie führt jeden Tag ihre Entstauungsgymnastik durch: „Optimal ist es, ein paar Übungen fest in den Alltagsablauf einzubauen. Die Gymnastik sollte so normal werden wie das Zähneputzen.“
Annette Dunker hätte sich 2007 selbst ein solches Informationsangebot sehnlichst gewünscht. Heute will sie dazu beitragen, andere Betroffene besser zu informieren und zu mehr Bewegung zu motivieren.

Coaching für Lymphpatienten

Mit curaflow, der App für Lymphpatienten, möchte Bauerfeind Betroffene durch die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) begleiten. In der App werden alle Facetten der KPE aufgegriffen, von der manuellen Lymphdrainage über Kompression und Bewegung – u. a. durch ein videobasiertes Bewegungsprogramm zur Aktivierung des Lymphflusses – bis hin zu Hautpflege und Selbstmanagement. Ziel ist es, Betroffene zu informieren, für die ganzheitliche Therapie zu motivieren und letztendlich auch zu mehr Selbstvertrauen zu verhelfen.
Den Nutzern wird in der App eine Bewegungsmentorin zur Seite gestellt, die sie auf sympathische Weise durch die verschiedenen App-Bereiche leitet, wie etwa das Übungsprogramm oder die Tagebuchfunktion. In einem Kalender können sich die Nutzer wichtige Termine wie Arztbesuche oder Trainingseinheiten aus ihrem Smartphone-Kalender anzeigen und sich erinnern lassen. So wird die App zum praktischen Alltagscoach und unterstützt das eigene Therapiemanagement.
Die curaflow-App ist ein CE-gekennzeichnetes Medizinprodukt und voraussichtlich Ende Novem­ber im Google Play Store (Android) und App Store (iOS) für den deutschen und den österreichischen Markt verfügbar. Interessierte können sich jetzt schon unter bauerfeind.de/curaflow-app bzw. bauerfeind.at/curaflow-app anmelden und werden dann umgehend benachrichtigt, sobald die App startklar ist.

Bilder: Julian Wiesemes, Bauerfeind (4)


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