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CoxaTrain in der konservativen Therapie „Bewegung lebt von Bewegung“

Ausgabe 03/2021

Die CoxaTrain ist eine lang erwartete Innovation für die konservative Therapie bei Hüftarthrose. Mit der Orthese können Patienten wieder in ein physiologischeres Bewegungsspektrum zurückfinden. Chefärztin Martina Ivanda von der Rose-Klinik in Horn-Bad Meinberg hat einen solchen Fall engmaschig über drei Monate hinweg beobachtet.

 „Eigentlich ist es ganz einfach“, sagt Martina Ivanda, „Bewegung lebt von Bewegung.“ Und mit diesem Satz bringt sie die Problematik von Patienten mit Coxarthrose auf den Punkt. Es sind der Schmerz – oder die Angst davor – und die fehlende Sicherheit im Stehen und Gehen, die Patienten in Schonhaltungen hineintreiben oder gar dazu bringen, Bewegung zu vermeiden – eine Abwärtsspirale. „Und es kommt der Punkt, an dem die Kompensationsmechanismen des Körpers nicht mehr greifen.“ Martina Ivanda, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, ist Chefärztin an der Rose-Klinik in Horn-Bad Meinberg, ihr Schwerpunkt ist die konservative Rehabilitation nach Hüft-, Knie- und Wirbelsäulenoperationen. Etwa 1.400 Orthopädiepatienten wurden 2019 in der Rose-­Klinik behandelt, davon rund 400 Hüftpatienten im Alter zwischen 40 und 90 Jahren. Ziel ihrer meist dreiwöchigen Reha sind die Aktivierung und Mobilisierung durch Dehnung und Kräftigung der Muskulatur für mehr Standfestigkeit und ein besseres Gangbild.

Stabil bei Bewegung und einfach im Handling – die CoxaTrain hat Martina Ivanda, Chefärztin Orthopädie an der Rose-Klinik in Horn-Bad Meinberg, im Praxistest überzeugt.
Stabil bei Bewegung und einfach im Handling – die CoxaTrain hat Martina Ivanda, Chefärztin Orthopädie an der Rose-Klinik in Horn-Bad Meinberg, im Praxistest überzeugt.

Den Schmerzkreislauf durchbrechen

Für die Orthopädin ist die CoxaTrain weit mehr als nur ein neues Hilfsmittel. „Das ist die erste gut tragbare Hüftorthese für die konservative Arthrose-Therapie. Auch in der postoperativen Nachsorge, wenn muskuläre Probleme oder Instabilitäten nach einer TEP bestehen, kann ich sie mir gut vorstellen.“ Martina Ivanda weiß, wie kraftaufwendig und technisch anspruchsvoll es ist, das Großgelenk zu erreichen. „Oft sind es die Weichteile, die das Problem ausmachen, das myofasziale System.“ Umso willkommener ist eine Orthese, die dazu beiträgt, muskuläre Dysbalancen in der Lenden-Becken-Hüftregion auszugleichen. Die Pelotten im Iliosakralbereich, über dem Gluteus medius und dem Trochanter major üben eine detonisierende Friktionsmassage aus – genau an den Punkten, an denen Abroll- und Rotationsbewegungen muskulär geführt werden. Damit können ungünstig verteilte Belastungsmomente wieder ins Lot gebracht werden. „Die CoxaTrain kann in der konservativen Therapie ein Meilenstein werden“, sagt Martina Ivanda, „man könnte damit den Schmerzkreislauf unterbrechen und den Patienten wieder in die Bewegung bekommen.“ 

 „Die CoxaTrain kann in der konservativen Therapie ein Meilenstein werden. Man könnte damit den Schmerzkreislauf unterbrechen und den Patienten wieder in die Bewegung bekommen.“
Martina Ivanda

 

„Den Unterschied mit und ohne Orthese kann ich bei ihm ganz klar erkennen.“ Martina Ivanda beobachtete bei Frank Hünkemeier eine deutliche Verbesserung seiner Hüftbeschwerden mit CoxaTrain.
„Den Unterschied mit und ohne Orthese kann ich bei ihm ganz klar erkennen.“ Martina Ivanda beobachtete bei Frank Hünkemeier eine deutliche Verbesserung seiner Hüftbeschwerden mit CoxaTrain.

Besseres Gangbild, mehr Wegstrecke

Martina Ivanda hat einen typischen Fall vor Augen: Frank Hünkemeier, ihren Ehemann. Im Vertrieb und Außendienst tätig, gehört er zur weit verbreiteten Spezies derer, die zu viel am Schreibtisch und im Auto sitzen müssen. Und sein Ausgleichssport, Hallenfußball, ist einer, den Orthopäden fürchten. „Etwa ein Dreivierteljahr lang“, berichtet er, „hatte ich Probleme beim Stehen, beim Auftreten, beim Treppensteigen … mir knickte einfach das rechte Bein weg – und das war schmerzhaft, richtig heftig.“ Die CoxaTrain kam da für ihn zur richtigen Zeit, sie erwies sich schnell als hilfreiche Unterstützung beim Fitnesstraining und beim Joggen: „Ich konnte wahrnehmen, dass die schmerzfreien Phasen immer länger wurden.“
An ihrem Mann konnte Martina Ivanda die Effekte der CoxaTrain für die ersten drei Monate sehr genau beobachten, „viel engmaschiger, als das im normalen Patientenkontakt möglich wäre“, erklärt sie. „Sein Gangbild hat sich deutlich verbessert.“ Zuvor sei die Außenrotation des Beins sehr stark gewesen. Dank der stabilen Führung durch die CoxaTrain konnte das Bein nicht so stark in die Fehlhaltung ausweichen und er setzte den Fuß wieder gerade auf. Das entlastet Hüfte, Knie und Sprunggelenk. „Den Unterschied mit und ohne Orthese kann ich bei ihm ganz klar erkennen.“ Auch seine Wegstrecke hat sich deutlich verbessert: Schaffte Frank Hünkemeier nur noch ein oder zwei Kilometer relativ beschwerdefrei, kann er jetzt mit Orthese wieder vier Kilometer oder mehr joggen, ohne innehalten zu müssen.

Missing Link für die Zeit vor und nach der OP

Für den konservativen Weg, der – wie Martina Ivanda betont – viel Mitwirkung des Patienten erfordert, ist die CoxaTrain ein „Missing Link“. Coxarthrose-Patienten können damit einen endoprothetischen Eingriff länger aufschieben und diese Zeit wirkungsvoll zur Muskelkräftigung und Funktionsverbesserung nutzen. Zwar dürfe der richtige Zeitpunkt für eine OP nicht verpasst werden, weil sonst die Rehabilitation schwieriger und langwieriger würde, dennoch ließe sich das Zeitfenster zwischen Beginn der Coxarthrose und Gelenkersatz-OP mit der CoxaTrain verlängern. „Das ist für jüngere und berufstätige Patienten ein wichtiger Aspekt.“ Für die Heilung nach einer OP bringen Patienten, die bereits an Bewegungstherapie und den Umgang mit einer Orthese gewöhnt sind, bessere Ausgangsbedingungen mit. Sie sind muskulär und konditionell stabiler. „Die präoperative Phase bestimmt das spätere OP-Ergebnis“, konstatiert die Ärztin. 

CoxaTrain fördert Bewegung

Für Martina Ivanda belegt die Trageerfahrung ihres Mannes das, was sie sich von einer Orthese für die konservative Therapie erwartet: Sie fördert Bewegung und damit die Grundlage für eine nachhaltige Besserung der Beschwerden. „Die Handhabung ist ganz einfach“, berichtet Frank Hünkemeier, „in den ersten Tagen muss man sich an die Führung durch die seitliche Schiene gewöhnen, aber das geht schnell. Man kann da wenig falsch machen.“ Zum Sitzen im Auto sei sie weniger geeignet, in der Bewegung funktioniere sie sehr gut.
Und genau darum geht es, bestätigt Martina Ivanda, Orthesen sollen die funktionelle Therapie unterstützen. Mit dem Vorurteil der Atrophie will sie aufräumen: „Das Gegenteil ist richtig. Orthesen wie die CoxaTrain verhelfen zu mehr Mobilität und motivieren dazu, sich Bewegung wieder zuzutrauen.“

Bilder: Steffi Behrmann


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