Arthrose/ Orthesen

„Das Spektrum der konservativen ­Hüfttherapie ist erweitert“

Coxarthrose-Studie belegt Wirksamkeit der Orthese CoxaTrain

Von Bauerfeind Life Magazin

Kurz & knapp Eine randomisiert- kontrollierte Studie mit der neuartigen CoxaTrain erbrachte die erste Bestätigung therapierelevanter Effekte: weniger Schmerz, mehr funktionelle Kapazität und ein verbessertes Gangbild. Auch der Ruheschmerz, oft Entscheidungsgrundlage für einen Hüftersatz, wurde nach siebentägigem Tragen der Orthese signifikant reduziert. Die CoxaTrain adressiert nicht nur das Hüftgelenk, sondern auch die gesamte LBH-Region Nach Aussage von Prof. Dr. med. Stefan Sell, Mitautor der Studie, ergeben sich für die konservative Hüfttherapie mit der CoxaTrain mehr Möglichkeiten.

Sie reduziert Schmerzen, verbessert das Gangbild und erhöht die funktionelle Kapazität. Was Anwender der CoxaTrain im Alltag spüren, konnte jetzt wissenschaftlich bestätigt werden. Evident sind auch die Wirkungen auf die Lenden-Becken-Hüft-Region (LBH).

Entlastende Orthesen für die Hüfte schienen lange Zeit undenkbar. Zu groß waren die Vorbehalte hinsichtlich effektiver Erleichterung auf der einen Seite und Patientenakzeptanz auf der anderen. Mit Einführung der neuartigen Hüftorthese CoxaTrain justieren sich die Denkmuster neu. Aktive Coxarthrose-Patienten schätzen die komfortable Bewegungsfreiheit und bestätigen den praktischen Nutzen der Orthese im Alltag und beim Sport (siehe Beitrag CoxaTrain bei der Arbeit und beim Sport). Die breit angelegte Wirkweise der CoxaTrain richtet sich keineswegs nur auf das Hüftgelenk. Auch die komplexe periartikuläre Situation der Muskeln und Sehnen wird gezielt in den Fokus genommen. Anwender der Orthese berichten von einer Verbesserung ihrer Hüftbeschwerden bereits nach kurzer Tragedauer. Diese praktische Evidenz der CoxaTrain konnte jetzt durch erste veröffentlichte Ergebnisse einer klinischen Studie mit wissenschaftlicher Eindeutigkeit untermauert werden.1

Wer weniger Ruheschmerz hat, entscheidet sich gegen Hüftersatz

Im Mittelpunkt der randomisiert-kontrollierten Untersuchung stand der Einfluss der CoxaTrain auf Schmerzempfinden, funktionelle Kapazität und Gangbiomechanik bei Probanden mit milder bis moderater unilateraler Coxarthrose (Kellgren-Lawrence-Grad II bis IV). Durchgeführt wurde die Studie unter der Leitung der Bewegungswissenschaftlerin Hannah Steingrebe am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Mitautor war Prof. Dr. med. Stefan Sell, Lehrstuhlinhaber für Sportorthopädie und Belastungsanalyse am KIT. Der Arzt und Forscher kommt zu einer klaren Einordnung der Ergebnisse: „Die CoxaTrain reduziert nachweislich Schmerzen, und zwar nicht nur Schmerzen beim Gehen, sondern auch den Ruheschmerz. Beide Schmerzzustände verbessern sich nach siebentägigem Tragen der Orthese. Für mich ist der Rückgang des Ruheschmerzes ein zentrales Resultat der Studie. Letztendlich ist er es, der bei Patienten die Entscheidung für oder gegen ein künstliches Hüftgelenk auslöst“, weiß der Arzt. „Da ein Gelenkersatz nur bei stark fortgeschrittener Coxarthrose empfohlen wird, ist die Entwicklung effektiver konservativer Behandlungsmethoden von so großer Bedeutung.“

Arthrose-Experte und Mitautor der Studie:
Prof. Dr. med. Stefan Sell.

Mehr Mobilität, besseres Gangbild

Ein weiteres elementares Kriterium für die Wirksamkeit der Orthese in der Arthrose-Therapie betrifft die funktionelle Kapazität der Probanden. Sie kann als Gradmesser für eine beschwerdearme Mobilität im Alltag betrachtet werden. Hier zeigte sich, dass die Probanden mit der CoxaTrain eine größere Wegstrecke zurücklegen können als ohne. Die Distanz war nach der einwöchigen Interventionsphase mit der Orthese deutlich größer als beim ersten Untersuchungszeitpunkt direkt nach Anlegen der Orthese. Auch bei der Ganganalyse konnten eindeutig positive Effekte der CoxaTrain festgestellt werden. So nahmen sowohl die Ganggeschwindigkeit als auch die Schrittlänge gegenüber der Kontrollgruppe signifikant zu. Eine Normalisierung des Gangbilds konnte nicht erzielt werden. Das sei, so Prof. Sell, aufgrund der irreversiblen Kontrakturen der Kapsel aber auch nicht möglich: „Es wird nicht mehr wie vor Eintritt der Erkrankung.“

Bewegung in der LBH-Region

In der Sagittalebene führte die Anwendung der CoxaTrain zu einer Reduktion des maximalen Flexionswinkels sowie zu einem Anstieg der Streckkraft im Vergleich zur Situation ohne Orthese. Zusätzlich wurde mit Orthese eine signifikante Zunahme des Bewegungsradius der Beckenkippung sowie der Beckenrotation gemessen. „Dieses Ergebnis hat mich ehrlicherweise überrascht, aber auch erfreut“, führt Prof. Sell aus. „Mir war immer bewusst, dass sich die verschiedenen Partner im Bereich der Hüfte, Iliosakralgelenke und unteren Lendenwirbelsäule gegenseitig beeinflussen, deshalb sprechen wir auch von der LBH-Region. Beim Krankheitsbild Coxarthrose ist sie als eine Einheit zu sehen, die man therapeutisch nicht trennen sollte“, betont Prof. Sell. „Auch hier war zu sehen, dass messbare Effekte am Becken nach dem einwöchigen Interventionszeitraum auftraten. Die unmittelbare Applikation der Orthese zeigte diese Effekte noch nicht signifikant. Biomechanische Wirkweisen brauchen in der Regel etwas Zeit, worauf Patienten hingewiesen werden müssen.“

Mittelwerte der zurückgelegten Distanz [m] im 6-Minuten-Walking-Test für die Kontrollgruppe (KG) sowie HOA-Gruppe unter verschiedenen Orthesenbedingungen.
*markieren signifikante Unterschiede bei α < 0.05.

Arthrose ist auch ein Weichteilthema

Neben den nachgewiesenen Effekten auf die Biomechanik des Beckens hat die Hüftarthrose auch Einfluss auf andere periartikuläre Strukturen des Gelenks.2 Arthrose ist auch ein Weichteilthema. Daher können Orthesen wie die CoxaTrain, welche die Stimulation der umliegenden Muskulatur und der Gelenkkapsel mit in den Fokus nehmen, selbst ohne rigide, mechanisch entlastende Bauteile eine positive Wirkung bei der Behandlung erzielen. Im Mittelpunkt steht die funktionelle Leistungsverbesserung durch die Orthese, die Patienten spüren und sehen. „Nicht zuletzt deshalb war die Compliance der Probanden sehr, sehr hoch“, ist sich Prof. Sell sicher. Fest steht für ihn auch: „Eine Orthese wie die CoxaTrain stellt eine klare Erweiterung unserer therapeutischen Möglichkeiten dar, ähnlich wie wir sie bei Gonarthrose kennen: risikoarm und praktisch ohne Nebenwirkungen. Bei der Bewegungstherapie gewinnen wir mit der CoxaTrain viel aktive Zeit. Das Spektrum der konservativen Hüfttherapie ist erweitert.“

Whitepaper anfordern

Eine Zusammenfassung ausgewählter Ergebnisse der Studie gibt es als PDF auf Deutsch und Englisch.

1 Steingrebe H. et al.: Frontiers in Bioengineering and Biotechnology; July 2022, Vol. 10, Article 888775, www.frontiersin.org, „Effects of Hip Bracing on Gait Biomechanics, Pain and Function in Subjects with Mild to Moderate Hip Osteoarthritis“
2 Block, J. A. and Shakoor, N. (2009). The biomechanics of osteoarthritis: Implications for therapy. Curr Rheumatol Rep 11, 15–22

Bilder: Bauerfeind, Udo Schönewald

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