Einlagen·Messtechnologie

Im Millimeterbereich skalieren

Bodytronic ID:CAM

Von Bauerfeind Life Magazin am 03.03.2023

Kurz & knapp Seit über zwei Jahren nutzt Matthias Mlink, Orthopädie-Schuhmacher-Meister bei Werner & Thiele in Dresden, das digitale System Bodytronic ID:CAM zur Produktion von Einlagen. Der Ablauf in fünf Schritten steht für präzise, individuelle Versorgung: Anfertigung eines elektronischen 2-D-Scans der Fußsohlen sowie von 3D-Daten bzw. Druckdaten. Passgenaue Konfiguration in der Webanwendung. Digitaler Datentransfer zur Produktion nach Zeulenroda. Lieferung der fertigen Einlagen nach wenigen Tagen, nach dem Anprobieren präzisierende Anpassungen an der Schleifmaschine. Nachkontrolle nach etwa einer Woche Alltagserfahrungen. Gegebenenfalls Nachschleifen, bevor der endgültige Bezug aufgeklebt wird.

Bei den Kunden von Werner & Thiele in Dresden kommt die individuelle Versorgung mit Fräseinlagen gut an. Die Webanwendung Bodytronic ID:CAM kombiniert Fachkompetenz mit digitaler Präzision. 

Mit Einlagen in den Schuhen fühle ich mich einfach wohler“, sagt Cornelia N. – und das seit über 20 Jahren. Denn die Einzelhandelsfachkraft hat einen Hallux valgus sowie einen leichten Hohlfuß, und nach einem langen Arbeitstag im Stehen brennen oft die Füße. Zudem ist sie täglich mit ihrem Hund in der Natur unterwegs und schätzt guten Halt im Schuh. Heute ist dennoch eine Premiere: Im Dresdner Orthopädieschuh-Fachgeschäft Werner & Thiele nimmt Cornelia N. ihre ersten gefrästen Einlagen in Empfang. Gespannt beobachtet sie, wie Orthopädie-Schuhmachermeister Matthias Mlink die knallgrüne Sohle mit routiniertem Griff in den Schuh einlegt, nachdem er zuvor an der Schleifmaschine kleinere Korrekturen vorgenommen hatte. Sitzt perfekt. „Und fühlt sich gut an“, strahlt Cornelia N. Beschwingt geht sie ein paar Schritte durch den Raum. Nur einige Tage zuvor sind in der Filiale der seit fast 30 Jahren bestehenden Orthopädie-Schuhtechnik, die in der Dresdner Neustadt unter „Wohlergehen“ firmiert, ihre Füße vermessen worden. Unkompliziert und digital mit einem Flachbettscanner, um einen 2D-Scan der Füße zu erstellen. „Es gibt auch die Möglichkeit, einen Schaumabdruck zu erstellen, aber das macht man heute nur noch selten“, erklärt Matthias Mlink. „Bei einer Diabetes-Versorgung ist er aber Vorschrift. Bei anderen Versorgungen immer wieder nützlich.“

In der Webanwendung Bodytronic ID:CAM modelliert Matthias Mlink jetzt die Fräseinlagen anhand der gescannten Daten. Sein Vorteil: Er kann so nicht nur direkt per Klick die Bestellung auslösen und die Produktion anstoßen, sondern hat auch alle Daten, inklusive Scan, zur Dokumentation an einer Stelle zusammengeführt. 

Passgenaues Konfigurieren in der Webanwendung

Für Cornelia N. war mit dem Scannen und Untersuchen der Füße der erste Termin abgeschlossen. Für den Orthopädie-Schuhmachermeister hingegen beginnt nach der 2D-Aufnahme die eigentliche Arbeit. Er sichert den Scan vom Computer in der Patientenkabine auf seinen Rechner im ruhigen Untergeschoss, wo er die Daten in die Webanwendung Bodytronic ID:CAM importiert. Dann geht es los. Jede Patientin, jeder Patient hat hier seine eigene Datei mit Anamnese, Bewertungen und sämtlichen relevanten Informationen – inklusive Scan. „Das ist ein großer Vorteil gegenüber früher“, erläutert der ausgebildete Fachwirt Matthias Mlink. „Ich habe hier alles hinterlegt. Wenn ein Patient wiederkommt und genau die gleichen Einlagen noch einmal will, brauche ich nicht in den Akten und Maßblättern zu suchen.“ Über die ­Webanwendung senden Fachhändler die Daten für Fräseinlagen direkt zur Produktion bei Bauerfeind im thüringischen ­Zeulenroda. Zuvor können sie zwischen den drei Konfigurationsprofilen Basic, Advanced und Professional wählen. Matthias Mlink arbeitet schon länger mit dem Profil Professional. Dabei konfiguriert und modelliert er die Einlagen völlig selbstständig, der Auftrag geht dann direkt in die Produktion.

Ausführliches Beratungsgespräch gehört zum Service

Im Beratungsgespräch erklärt Matthias Mlink seiner Kundin den Aufbau der Einlagen und deren Wirkung.

Bei Cornelia N. handelt es sich um eine prophylaktische Alltagsversorgung, da noch kein Schmerzbild besteht. In diesen Fällen sollen die Einlagen unter anderem helfen, die Gewölbestruktur zu erhalten sowie bei Ermüdungserscheinungen frühzeitig gegenzusteuern. Der Orthopädie-Schuh­machermeister hat daher ein standardmäßiges, durchschnittliches Dreischichtmaterial in mittlerer Shorehärte gewählt. Es verfügt über bettende, dämpfende und entlastende Eigenschaften. „Bei Schmerzpatienten geht man eher eine Nummer weicher, ist jemand kräftiger, kommt festeres oder Einschichtmaterial infrage“, erklärt Matthias Mlink. Der Fuß soll in seiner Normalform gestützt und nicht überkorrigiert werden. Nutzt jemand die Sohlen zum Sport, dürfen sie gedämpfter und eher stabilisierend sein. Daher ist es auch wichtig, vorab so viel wie möglich über die alltäglichen Bewegungsabläufe und häufigsten Belastungen herauszufinden. „Gerade bei der Präventivversorgung versuchen wir im Beratungsgespräch genau heraus­zuhören, welche Ziele der Patient hat und für welche Schuhe die Einlagen vorrangig sein sollen“, betont Matthias Mlink. So betreuen sie bei Werner & Thiele beispielsweise junge Freizeitsportler oder Turniertennisspieler, aber auch ältere Kunden, die mit Nordic-Walking-Stöcken an der Elbe unterwegs sind oder im Mittelgebirge wandern und wie Cornelia N. lediglich Entlastung und Halt für ihre Füße wünschen. „Aber die meisten, die ins Geschäft kommen, haben eine ärztliche Verordnung und wirklich ein Problem“, sagt der Fußexperte. Insgesamt ist Werner & Thiele an fünf Standorten in Dresden vertreten: Jede Filiale verfügt über eine eigene Werkstatt und einen Mitarbeiter, der für die Webanwendung Bodytronic ID:CAM qualifiziert ist. Die Patienten umfassen alle Altersgruppen und Bedürfnisse. Vom Kind mit Fußfehlstellung bis zur betagten Schmerzpatientin, darunter mittlerweile mehrere Stammkunden. In der gesamten Einlagenversorgung machen die mit Bodytronic ID:CAM gefertigten Einlagen, die Matthias Mlink als Premiumprodukt bezeichnet, etwa ein Viertel aus. Von den Vorteilen ist er überzeugt: „Wir kommen so viel näher an den Patienten ran und können ganz gezielt in die Versorgung hineingehen.“

Per Knopfdruck zur Produktion nach Zeulenroda

Für das Modellieren nimmt er sich dementsprechend Zeit. Hier werden die individuellen Besonderheiten jedes Fußes im Millimeterbereich skaliert. Hat jemand Gelenkbeschwerden, einen Fersensporn oder einen Hohlfuß? Diese und alle weiteren Merkmale werden in der Linienführung am Computer angepasst. Dann wird der Auftrag gespeichert und geht per Knopfdruck direkt zu Bauerfeind. Die Schulung für die kostenlose Webanwendung in der Bauerfeind Akademie dauert in der Regel eineinhalb Tage, alternativ ist eine Einarbeitung durch Vertriebsmitarbeiter möglich, die auch später bei Fragen weiterhelfen. Außerdem stehen in Zeulenroda Ansprechpartner telefonisch zur Verfügung. Sämtliche Aktualisierungen finden digital im Hintergrund statt.

Zwar ist die sächsische Landeshauptstadt nicht allzu weit von Zeulenroda entfernt, trotzdem ist Matthias Mlink immer wieder begeistert, wie schnell die individuellen Einlagen fertig sind: „Wenn ich bis 15 Uhr bestelle, kommt oft schon am nächsten Vormittag der Zustelldienst mit der Ware, das ist ein großer Vorteil, gerade bei Schmerzpatienten oder in der Urlaubszeit.“ 

Schneller Service auf der einen Seite, ausreichend Zeit für Fragen, Maßnehmen, Modellieren und Anpassen auf der anderen, das macht die individuellen Fräseinlagen 

Individuelle Einlagen-Fußversorgung mit Bodytronic. Orthopädie-Schuhtechnik GmbH Werner & Thiele. Königsbrücker Str. 58 – 01099 Dresden

aus. So benötigt Matthias Mlink über das Beratungsgespräch hinaus insgesamt etwa eine Stunde für die Einlagenversorgung mit Bodytronic ID:CAM. „Wir stecken bewusst viel Energie in die Betreuung“, erläutert der Dresdner. „Dann landet das Produkt nicht in der Schublade, sondern wird getragen.“ 

„Wir stecken bewusst
viel Energie in die Betreuung. Dann landet das Produkt nicht in der Schublade, sondern wird getragen.“

Matthias Mlink

Das trifft garantiert auch auf Cornelia N. zu, die nun mit ihren neuen Einlagen ein paar Runden im Geschäft gedreht hat. Ein weiteres Beschleifen ist nicht nötig. Sie hat aber eine Woche Zeit, die Sohlen im Alltag zu testen, dann kommt sie zur Nachkontrolle. „Beim zweiten Termin schauen wir detailliert, wie der Patient zurechtgekommen ist“, erläutert Matthias Mlink. Bei Bedarf nimmt er die Einlagen noch einmal zum Nacharbeiten mit in den Keller, wo seine große Schleifmaschine steht. Erst dann kommt der finale Bezug drauf. Der soll die Einlagen schützen bis zur nächsten Bestellung. Wann das ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – zum Beispiel, ob die Einlagen verordnet und von den Krankenkassen getragen werden, das ist zweimal im Jahr der Fall. Bei Werner & Thiele gehört es zum Service, die Füße jedes Mal neu zu vermessen, auch wenn es bei Erwachsenen einmal jährlich reichen würde. „Aber so ist es sicherer“, findet der Orthopädie-Schuhmachermeister. „Und bei Kindern im Wachstum muss man ohnehin jedes Mal neu vermessen.“ Bei ihnen kommt es in erster Linie darauf an, die Muskulatur anzuregen und das Gangbild zu verbessern. Erst ab Anfang, Mitte 20 ist der Fuß ausgereift, kann sich ab Mitte 30 jedoch je nach Belastung, durch falsche Schuhe oder zum Beispiel bei stehender Tätigkeit noch etwas senken. Auch erblich bedingt verändern sich Füße im Laufe des Lebens manchmal und im Alter kommen dünnere Haut und zurückgehende Weichteile hinzu. Ein komplexer Prozess, den es sich lohnt aktiv zu begleiten. 

Die Kunden sind von der Kombination aus intensiver Beratung durch ­Matthias Mlink und digitaler Präzision mit ­Bodytronic ID:CAM jedenfalls begeistert. Zum Beispiel der Professor aus dem Stadt­archiv, dessen Fitnesstracker 20.000 Schritte am Tag aufzeichnet. „Ab 10.000 Schritten hatte er Fußprobleme“, erzählt Matthias Mlink. „Seitdem er die X-Core-Variante trägt, klappt es super. Dabei wird die gefräste Deckschicht mit dem weightflex-Kern kombiniert. Heute Vormittag hat er ein zweites Paar Sohlen für den Sport in Auftrag gegeben.“ Oder die ältere Dame, die ihn neulich mit den Worten gelobt habe: „Herr Mlink, Sie haben goldene Hände!“, erinnert er sich und fügt schmunzelnd hinzu: „Dabei habe ich doch einfach nur ein paar Einlagen modelliert.“

ErgoPad ID:Zehentrenner – sommerlicher Tragekomfort 

Zehentrenner mit ganz persönlicher Note: Die individuell angepassten Sohlen werden im Sanitätshaus am Fuß passgenau zusammengebaut. 

„Die Zehentrenner kamen genau im richtigen Moment“, sagt Orthopädie-Schuhmachermeister Matthias Mlink. „Im vergangenen Sommer habe ich sie unter anderem für ein junges Mädchen gebaut, das auf Reisen ging, als auch für eine ältere Dame, die im Hochsommer nicht auf ihr orthopädisches Fußbett verzichten möchte.“ Der Techniker setzt die Einzelteile vor Ort zusammen und bearbeitet die Sandale final. Er positioniert zum Beispiel das Riemchen auf dem Kundenfuß und sorgt so für einen festen Sitz des Zehentrenners am Fuß, während die richtige Position des Zehenstegs unangenehmes Reiben verhindert. 

Bilder: Bauerfeind, Thomas Lebie

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