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BGM bei Opel: Reduktion von Krankheitstagen durch orthopädische Einlage Schnelle Hilfe dank Fußsprechstunde

Ausgabe 03/2017

Opel baut am Stammsitz Rüsselsheim sein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) konsequent aus und arbeitet dabei mit externen Partnern zusammen. Life sprach mit Dr. med. Anne-Marie Albuszies, Leiterin des Werksärztlichen Dienstes, sowie Wolfgang Giebeler und Patric Konrad von der G&M orthopädie-Technik Oberursel GmbH über Gesundheitsangebote wie die Fußsprechstunde.

„Das Wohlbefinden der Mitarbeiter und damit der Gesundheits- und Arbeitsschutz sind ein maßgeblicher Faktor für den Erfolg und die Produktivität unseres Unternehmens. Dementsprechend sind die Maßnahmen, die wir hier bei Opel innerhalb der Betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten, ausgesprochen vielfältig“, erläutert Dr. med. Anne-Marie Albuszies, Leiterin des Werksärztlichen Dienstes bei Opel in Rüsselsheim. „Das reicht von der aktiven Mittagspause mit angeleiteten Sportübungen bis zur Aktion ‚Gesund und sicher arbeiten mit null Promille‘. Auch Gesundheitstage und die einmal pro Jahr organisierte Health & Safety Week, bei der wir unsere Mitarbeiter umfassend zu Arbeitssicherheits- und Gesundheitsthemen informieren, gehören dazu.“

Von Vorteil: ein mobiler Gesundheitsdienst

Dr. med. Anne-Marie Albuszies, Leiterin des Werksärztlichen Dienstes am Opel-Standort Rüsselsheim.
Dr. med. Anne-Marie Albuszies, Leiterin des Werksärztlichen Dienstes am Opel-Standort Rüsselsheim.

Seit kurzem sind die Betriebsärzte mit einem Gesundheitsmobil auf dem rund zwei Quadratkilometer großen Gelände von Opel unterwegs. „Mit diesem Fahrzeug wollen wir unsere Gesundheitsthemen in die einzelnen Bereiche des Standorts bringen und die großen räumlichen Distanzen zwischen Mitarbeitern und werksärztlichem Dienst überbrücken“, führt Dr. Anne-Marie ­Albuszies aus. Das Gesundheitsmobil wird für Impfsprechstunden, reisemedizinische Beratungen und für Massagen genutzt. Und auch Wolfang Giebeler ist damit unterwegs. Der Geschäftsführer der G&M Orthopädie-Technik Oberursel bietet mit dem Fahrzeug Fußsprechstunden im Werk an. Zu diesem Angebot gehört das Fertigen und Anpassen von orthopädischen Einlagen für die Sicherheitsschuhe. Dieses Thema liegt der leitenden Werksärztin besonders am Herzen, sind doch bei Opel dem Gesundheitsbericht des Unternehmens zufolge Muskel-Skelett-Erkrankungen für einen wesentlichen Teil der Fehlzeiten im gewerblichen Bereich verantwortlich. „Dies entspricht der allgemein für die Automobilbranche typischen Größenordnung“, erläutert Dr. Anne-Marie Albuszies. „Viele dieser Erkrankungen können auf Fehlstellungen des Fußes oder Schwächen im Fußgewölbe beruhen. Die fehlerhafte Statik im Fuß potenziert sich nach oben in die Wirbelsäule, so dass auch Schmerzen in der Halswirbelsäule auf geschwächte Fußgewölbe zurückzuführen sind. Wenn wir Mitarbeitern Maßnahmen wie Physiotherapie oder Sport nahelegen, nehmen sie diese Angebote häufig nicht wahr. Mit einem einfachen Hilfsmittel wie einer Einlage kann man den Mitarbeitern aber ganz schnell konkrete Hilfe am Arbeitsplatz geben.“

Externer Partner vereinfacht Prozesse

Am Opel-Standort Rüsselsheim tragen 5.000 der 15.000 Mitarbeiter Sicherheitsschuhe. Das Anpassen und Abgeben von orthopädischen Einlagen in diese Schuhe ist mit Vorgaben der Berufsgenossenschaften verbunden, die zum Schutz des Arbeitnehmers zwingend einzuhalten sind. So müssen die Einlagen in Kombination mit dem jeweiligen Sicherheitsschuhmodell baumustergeprüft sein. Die Mitarbeiter dürfen also nicht einfach die privat getragenen, orthopädischen Einlagen in ihren Sicherheitsschuhen verwenden. Das hat seine guten Gründe: Wenn sich beispielsweise der Sicherheitsabstand zwischen Zehen und Stahlkappe des Schuhs durch eine ungeeignete Einlage gefährlich verringert, kann dies schwerwiegende Verletzungen nach sich ziehen, wenn etwas Schweres auf den Schuh fällt.
Anders als im privaten Bereich werden die Kosten für betrieblich genutzte Einlagen auch nicht über die gesetzlichen Krankenkassen erstattet, sondern durch die gesetzliche Rentenversicherung, sofern der Mitarbeiter dort mindestens 15 Jahre beitragspflichtig versichert ist. Für einen Erstantrag müssen allerdings mehrere, bis zu sieben Seiten umfassende Formulare ausgefüllt und ärztliche Nachweise erbracht werden. „Gerade wenn die Einlagen vom Hausarzt verschrieben werden, ist das Ganze oft ein sehr langwieriger Prozess – da gibt der eine oder andere Mitarbeiter schon mal auf, was schade ist“, bedauert Dr. Anne-Marie Albuszies. „Und auch bei meinen Kollegen und mir hat das Ausfüllen der Anträge in der Vergangenheit viel Zeit in Anspruch genommen. Mit der Fußsprechstunde wollen wir den Prozess jetzt mit Hilfe eines kompetenten externen Partners einfacher gestalten, so dass die Mitarbeiter möglichst schnell die richtige Arbeitsschutzausrüstung inklusive der passenden Einlage erhalten.“

Ein starker Rücken beginnt bei den Füßen

Wolfgang Giebeler (links), Geschäftsführer der G&M Orthopädie-Technik Oberursel , und Patric Konrad, Innendienstleitung und QM-Beauftragter.
Wolfgang Giebeler (links), Geschäftsführer der G&M Orthopädie-Technik Oberursel , und Patric Konrad, Innendienstleitung und QM-Beauftragter.

Den Auftakt für das Etablieren der Fußsprechstunde am Rüsselsheimer Standort des Automobilherstellers bildete die Health & Safety Week 2016. „Während dieser Woche haben wir in einem Pilotbereich, in dem die Ausfälle durch Muskel-Skelett-Erkrankungen besonders hoch sind, zusammen mit Bauerfeind und der G&M Orthopädie-Technik Oberursel eine Aktion zum Thema Rückengesundheit durchgeführt“, berichtet Dr. Anne-Marie Albuszies. „Da wurden unsere Mitarbeiter sozusagen von Kopf bis Fuß vermessen. Die Aufmerksamkeit lag auf der Evaluation und Bewertung der Muskelkraft im Bereich der Wirbelsäule sowie der Konstitution der Füße. Wir haben analysiert, wo Handlungsbedarf besteht und mit welchem Hilfsmittel man den Mitarbeitern im konkreten Fall helfen kann. 430 Personen haben teilgenommen – für uns war das eine sehr erfolgreiche Aktion.“ „Und wir haben festgestellt , dass bei rund 70 Prozent der untersuchten Mitarbeiter, also bei einem erheblichen Anteil, Bedarf an einer Einlagenversorgung bestand“, ergänzt Wolfgang Giebeler und fügt noch hinzu: „Bei der Bewertung dieser Zahlen muss man natürlich berücksichtigen, dass von den Vorgesetzten gezielt die Kollegen mit gesundheitlichen Problemen des Muskel-Skelett-Systems geschickt wurden. Aber so ist es ja auch gedacht.“

Maßgeschneiderte Prozesse

Aufbauend auf dem Erfolg der Health & Safety Week, entwickelte G&M Orthopädie-Technik ein Konzept für eine regelmäßige Fußsprechstunde bei Opel. „Wir führen bereits bei verschiedenen Unternehmen, wie etwa bei Rolls-Royce, selgros und Messko, Fußsprechstunden durch und haben deshalb umfangreiche Erfahrungen damit“, erläutert Patric Konrad, Innendienstleitung und QM-Beauftragter bei G&M Orthopädie-Technik. „Jeder dieser Betriebe hat andere Anforderungen und individuell gestaltete Arbeitsabläufe. Diese müssen wir bei der Koordinierung unserer Prozesse rund um die Fußsprechstunde berücksichtigen, so dass für das Unternehmen möglichst wenig Aufwand entsteht und unser Prozess reibungslos im Hintergrund läuft.“ Eine nicht zu unterschätzende Entlastung bedeutet es für die Betriebe auch, dass das Sanitätshaus sie hinsichtlich der Anträge zur Kostenerstattung bei der Rentenversicherung oder einem anderen Träger umfassend unterstützt. Bei den meisten Firmen führt G&M Orthopädie-Technik so wie bei Opel die Fußsprechstunde vor Ort auf dem Firmengelände durch. Das hat den Vorteil, dass die Mitarbeiter für die Untersuchung keine längeren Wege haben.

Baumustergeprüft und gut für den Fuß

Was die Einlagenversorgung für Arbeitssicherheitsschuhe betrifft, hat Wolfgang Giebeler ganz konkrete Anforderungen an die Qualität: „Wir benötigen hier ein baumustergeprüftes Produkt, das nicht nur – wie die von einigen Schuhherstellern gleich mit angebotenen Einlagen – gut in den Schuh passt. In erster Linie kommt es ja darauf an, dass die Einlage gut für den Fuß ist“, führt der Diplom-Orthetiker und -Prothetiker aus. „Dafür brauchen wir speziell für Arbeitssicherheitsschuhe entwickelte Einlagenroh­linge wie die von Bauerfeind. Damit können wir arbeiten und sie aufgrund unserer umfassenden Untersuchungen des Bewegungsapparats exakt auf die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen zurichten.“ Eine Einlage für Arbeitssicherheitsschuhe sollte aus der Sicht von Wolfgang Giebeler in erster Linie Fehlstellungen korrigieren und entlastende Unterstützung bieten. „Die Mitarbeiter stehen ja mehr am Band, als dass sie sich fortbewegen“, erläutert er. „Wir stellen bei der Fußsprechstunde darüber hinaus gleich fest, ob jemand auch im Privatleben eine Einlage – vielleicht eine mit dynamischeren Eigenschaften – benötigt, und geben dann die entsprechenden Empfehlungen. Und diese ganzheitliche Betrachtung reduziert dann letztendlich auch spürbar die Ausfälle durch Krankheitstage.“

Bilder: Michael Bause