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Ideengeber Prof. Dr. med. Heinrich Hess über die Coxa Train „Ein orthopädischer Traum ist wahr geworden“

Ausgabe 02/2021

Prof. Dr. med. Heinrich Hess stand als Gründungspräsident der Gesellschaft für Orthopädische Traumatologische Sportmedizin (GOTS) vor und ist wissenschaftlicher Berater der Bauerfeind AG.

life: Welche Therapieziele stehen hinter der Idee zur Coxa Train?

Prof. Hess: Coxarthrose ist nicht heilbar. Bei der Symptomatik können wir jedoch etwas tun. Wir wollen eine Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung für die vielen Betroffenen erreichen. Sie sollen spazieren gehen und ihren Beruf ausüben können, im eigenen Sport aktiv bleiben – mit einer Orthese, die sie selbst anlegen und langfristig tragen können. Das war das Ziel.

Warum wurde diese Art der Hüftorthese jetzt erst entwickelt?

Prof. Hess: Es gibt nichts Vergleichbares auf dem Markt. Das zeigt, wie groß die Herausforderung war. Keiner meiner Kollegen glaubte an die Idee. Aber aus der Extensionstherapie wusste ich: Es gibt Wege, das Gelenk durch Zug zu entlasten. Das bewegliche Trochanter Pad mit seinem Einfluss auf die Gelenkkapsel und hüftführende Muskulatur ist eine echte Innovation. Aber auch das Einbeziehen der Iliosakralgelenke (ISG) war wichtig bei der Entwicklung.

Hüfte und ISG – wie hängt das zusammen?

Prof. Hess: Viele Hüftpatienten sind auch ISG-Patienten. Sämtliche Bewegungen der Hüfte haben Auswirkungen auf die untere Wirbelsäule. Wir wissen von Studien und aus der Praxis, dass eine Orthese wie die SacroLoc, die auf der Verbindungslinie zwischen Becken und Wirbelsäule sitzt, das Becken stabilisiert und den Menschen mit Coxarthrose auch hilft. Diese Erkenntnis wurde in die Coxa Train eingebaut.

Ein wichtiges Wirkprinzip der Coxa Train ist die Friktionsmassage. Warum?

Prof. Hess: Muskuläre Verspannungen sind ein Charakteristikum bei Hüftpatienten. Am Glutaeus medius, dem bewegungsaus­führenden Hüftmuskel, wirkt die Friktions­massage über Triggerpunkte diesen Dys­­-
ba­lan­cen entgegen – mit positiven Auswirkungen auf Muskeltonus, Schmerzen und ­Gehfähigkeit.

Welches Bild haben Sie von der Coxa Train?

Prof. Hess: Wir haben einer bisher nicht vorstellbaren konservativen Lösung den Weg geebnet, mit der wir Schmerzen lindern sowie die Gelenkfunktion und Gehfähigkeit verbessern können. Seriöse klinische Studien haben gezeigt: Ein orthopädischer Traum ist wahr geworden.

Hüftorthese Coxa Train: Unterstützung für die Bewegungstherapie

Die Coxa Train lindert Schmerzen und reduziert muskuläre Dysbalancen bei Coxarthrose, rheumatoider Arthritis und Impingement-Syndrom. Sie vereint dafür verschiedene Wirkprinzipien, die bei Bewegung ausgelöst werden.

Die Coxa Train wirkt durch Stabilisation, Friktion und propriozeptive Stimulation auf das funktionelle Zusammenspiel von Rumpf- und Hüftmuskulatur.

Die Coxa Train besteht aus einer Becken- und Oberschenkelbandage, die über eine lateral anliegende Gelenkschiene miteinander verbunden sind. Die elastische Beckenbandage wird mit Zuggurten festgezogen. Die dadurch aufgebaute zirkuläre Kompression stabilisiert den Beckenring und entlastet die Ilio­sakralgelenke (ISG). Zwei dorsale ISG-­Friktionspelotten massieren bei Bewegung die lokalen Bandstrukturen und die Muskulatur der unteren Lendenwirbelsäule. Dies wirkt schmerzlindernd auf den lumbo­sakralen Übergang und hilft, muskuläre Dysbalancen im Lenden-Becken-Hüft­bereich auszugleichen.

Individuell einstellbar

Die Oberschenkelbandage ist durch ein Raster an der Gelenkschiene höhenverstellbar. Bei Bedarf können mit Limitierungsstiften für das Gelenk Flexion und Extension in drei Stufen (60°, 75°, 90°) schützend eingeschränkt werden.

Detonisierendes Gluteal Pad 

Eingeklettet in der Beckenbandage liegt lateral eine weitere viskoelastische Friktionspelotte an: das Gluteal Pad (im Bild rechts oben). Es massiert bei Bewegung mit drei hohen gerillten Noppen quer zum Muskelfaserverlauf Triggerpunkte. Das wirkt detonisierend auf die gluteale Muskulatur, insbesondere auf den an der Hüftextension beteiligten Anteil des Musculus glutaeus medius.

Bewegliches Trochanter Pad

Auf Höhe der Sehnenansätze der Hüftmuskulatur, über dem Trochanter-Polster zum Schutz des Knochenvorsprungs, ist das Trochanter Pad auf dem Exzentergelenk montiert. Die Innovation: Beim Gehen bewegt sich die viskoelastische Pelotte zyklisch auf und ab. So übt sie eine Wechseldruckmassage auf das Weichteilgewebe oberhalb des Trochanter major aus. Die Friktion wirkt entspannend auf die bewegungsausführende Muskulatur. Im Wechselschritt erfährt das entlastete Bein eine drucknehmende Traktion im Hüftgelenk.

Ein Schritt nach vorn für die breite Gruppe von Coxarthrose-Patienten

„Bei der Coxa Train denke ich an Patienten mit beginnender Coxarthrose oder Hüftsehnenentzündungen“, sagt der amerikanische Hüftspezialist Allston J. Stubbs, MD und MBA. „Und an all jene, die für eine Operation noch nicht infrage kommen, aber eine Intervention in Form von Physiotherapie, Gangtraining oder biologischen Verfahren brauchen. Bei diesen Maßnahmen zählt Ausdauer und Geduld. Die neue Orthese hilft den Patienten dabei. Ihre Pelotten tragen dazu bei, Schmerzen im Hüft- und Beckenbereich zu lindern. Durch propriozeptive Stimulation und biomechanische Unterstützung fördert die Orthese ein natürlicheres Gangbild. Die Coxa Train ist entscheidend leichter als andere Orthesen und passt unter die meisten Arten von Kleidung. Dadurch kann sie in vielen Situatio­nen zum Einsatz kommen und gut über längere Zeiträume getragen werden.“

Bilder: Bauerfeind, Bauerfeind USA/Scott Borjeson, Andreas Wetzel


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