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14. Bauerfeind-Branchenforum in Hamburg Dialog mit der Zukunft

Ausgabe 01/2020

Gibt es eine Erfolgsformel für Innovation? Wie finden Ideen für morgen den Weg in das unternehmerische Jetzt? Auf dem Bauerfeind-Branchenforum am 21. November 2019 gab es dazu Inspiration aus dem Silicon Valley, Handlungsempfehlungen einer Medizin­soziologin und Beispiele aus den Reihen der Qualitätspartner.

„Was wäre wenn …?“, fragte der „Chief Innovation Evangelist“ von Google, Dr. Frederik G. Pferdt , das Publikum (links).

Neue Ideen müssen wachsen können, sagte Googles „Chief Innovation Evangelist“ Dr. Frederik G. Pferdt in seiner Keynote zum Future-Ready-Mindset. Bei einem Live-Experiment zeigte der „leitende Innovationsmissionar“ des Internet­konzerns und Adjunct Professor der Stanford University, wie man Denkweisen umprogrammieren kann. Er bat die Anwesenden, sich eine Zukunftsidee als „Was wäre, wenn …“-Frage vorzustellen und sie mit jemandem zu teilen. Dann sollte das Gegenüber die Vision weiterspinnen und fragen, was sich daraus ergibt , wenn es so kommt. Durch dieses vielfache Stellen von Fragen gelänge die Psychologie des Offenen. Auf jedes gedachte „Was wäre, wenn“ sollte ein „Ja, und …“ folgen, kein „Ja, aber …“, um so unsere gelernte Suche-und-Finde-den-Fehler-Mentalität auszuschalten. „Fragen begeistern und laden andere ein, mit Ihnen eine Lösung zu erdenken. Das schafft Vertrauen. Führen Sie mit Fragen, anstatt mit Antworten zu leiten“, so Dr. Pferdt. Er plädierte dafür, jeder Idee 30 Tage Zeit zu geben, sie auszuprobieren und von Erfolg und Misserfolg zu lernen. Und er empfahl , mit Routinen zu brechen. „Wir müssen auch in Dinge investieren, von denen wir noch nicht wissen, ob sie funktionieren. Deshalb gehe ich selten zweimal in dasselbe Restaurant.“

Bauerfeind-Qualitätspartner Manufaktur Meisterschuh erzählte, wie sich das Unternehmen für die Orthopädieschuhtechnik öffnete.

Gute Ideen im Sanitätshaus

Ihren Bruch mit Routinen teilten daraufhin vier Bauerfeind-Qualitätspartner auf dem Podium: Rahel Weidlich übernahm mit ihrer Schwester vom Vater das Sanitätshaus Frohnhäuser. Sie brachte weiblichen Führungsstil in das Mainzer Traditionshaus und baute ein Versorgungsnetzwerk für Brustkrebspatientinnen auf mit Kliniken, Reha-Sport-Anbietern und Tätowierern für Mamillen-Rekonstruktion. Jörg Weinmann vom Sanitätshaus Weinmann in Göppingen investierte in 3D-Druck, einen eigenen Außendienst und eine Akademie, die Seminare für Patienten und Fachpublikum, wie z. B. Wundexperten, anbietet. Er sieht im Know-how-Transfer sein stärkstes Marketinginstrument und setzt konsequent auf Digitalisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Geschäftsführer André Schikora von Pudel Orthopädieschuhtechnik in Ludwigsburg berichtete vom laufenden Projekt eines Bio-Labs für datenbasierte Leistungsdiagnostik auf dem Fahrrad. Das Bike-Fitting-Projekt baut den sportwissenschaftlichen Fokus von Pudel weiter aus. Schikora fördert diese Idee eines Mitarbeiters, der Konzept und Markenworkshop gleich mitlieferte.

In der Abschlussrunde wurde leidenschaftlich diskutiert , wie Zukunft gestaltet werden sollte.

Nicola Marx von der Manufaktur Meisterschuh aus Berlin-Kreuzberg erzählte, wie sich sein Unternehmen für die Orthopädieschuhtechnik öffnete. Meisterschuh stellt Schuhe nach Maß in reiner Handarbeit mit Traditionswerkzeugen her. Die Idee, schöne orthopädische Maßschuhe in Kombination mit Einlagenversorgung anzubieten, kommt an. Mittlerweile ergänzen Kompressionsstrümpfe und Bandagen das Angebot.

Führung verändern, um Neues zu entwickeln

Dr. Martina Oldhafer gab konkrete Handlungs­empfehlungen für Change-Management.

Nach Inspiration von Technikkonzern und Branche führte Dr. Martina Oldhafer in ihrer Keynote ins konkrete Change-Management mit Handlungsempfehlungen für Führungskräfte. „Wertschätzen Sie alles“, war die Ansage der Medizinsoziologin. „Stärken Sie die Stärken Ihrer Mitarbeiter und durchforsten Sie die Sprache in Ihrem Unternehmen, damit Kommunikation gelingt.“ Beim Wahren von Tradition und Wagen von Innovation gilt es, Wissen und Erfahrung zusammenzubringen und wertzuschätzen, wer am Erfolg beteiligt ist. Wie Dr. Pferdt , sah auch Dr. Oldhafer in Führung die Aufgabe zu fördern – orientiert an den Stärken des Einzelnen als Macher, Analytiker, Visionär oder Vermittler.

Was ändert sich in der Gesundheitsbranche?

Die Abschlussdiskussion mit Alf Reuter (Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik), Istok Kespret (HMM Deutschland GmbH), Dr. Frederike Escher-Brecht (Barmer.i) und Dr. Martina Oldhafer ging das Thema „Zukunft gestalten“ leidenschaftlich und kontrovers an. Was soll auf einem E-Rezept stehen und wer übernimmt die Auswahl: Arzt oder Fachhandel? Wie lassen sich Verhandlungen mit Krankenkassen effizienter gestalten? Geht Hilfsmittelversorgung komplett digital? Wie wird Versorgung besser, schneller und bleibt leistbar? Die Meinungen und Ziele gingen auseinander, gemeinsamer Nenner blieb der Fokus auf den Patienten. Dr. Oldhafer fasste zusammen: „Der Einzelne macht den Menschen nicht gesund. Bedürfnisse werden steigen, auch nach Kontakt. Und Qualität wird sich durchsetzen!“ 

Graphic Recording: Der Kölner Visualisierungs-Fuchs Volker Voigt dokumentierte das Bauerfeind-Branchen­­forum in Echtzeit.

Bilder: Bauerfeind


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