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Autonomie mit der GenuTrain OA „Ich sehe den passenden Patienten genau vor mir“

Ausgabe 03/2019

Prof. Dr. med. Stefan Sell , Ärztlicher Direktor des Gelenkzentrums Schwarzwald im Krankenhaus Neuenbürg, war Mitentwickler und Tragetestbetreuer der neuen Knieorthese. Die hohe Compliance ist für ihn in der Patienten­autonomie begründet.

Bauerfeind life: Was ist Ihnen beim Trage-­test mit der GenuTrain OA aufgefallen?

Prof. Sell: Diese Tests laufen eigentlich immer nach dem gleichen Schema ab. Sie machen einen Plan, geben das Produkt raus, erklären Funktion und Tragedauer und am Ende sammeln Sie das Produkt wieder ein. In diesem Fall wollten die Probanden es aber behalten.

Warum?

Prof. Sell: Die GenuTrain OA ist das Hilfsmittel , auf das sie gewartet haben. Ich sehe die dazu passende Person genau vor mir: den aktiven Gonarthrosepatienten leichten bis mittleren Grades mit leichter bis mittlerer Fehlstellung, Alter zwischen 30 und 70. Er will Sport machen, er will weiter seinen aktiven Lebensstil beibehalten. Und tatsächlich, ich habe es ausprobiert: Sie ziehen die GenuTrain OA zum Tennis nicht nur an, sie können mit ihr auch richtig Tennis spielen.

Die GenuTrain OA soll entlasten, indem der Träger sie selbst anpasst , den Zug nach Bedarf erhöht oder reduziert …

Prof. Sell: Diese Autonomie ist für die Compliance ein ganz wesentlicher Punkt. Der Patient hat es jetzt selbst in der Hand, wann und wie stark er entlastet. Nachdem ihm die Orthese erklärt wurde, braucht er keine fremde Hilfe mehr. Man muss ihm aber auch sagen, dass er nicht zu sehr anspannen soll. Die Erwartungen sind teilweise sehr hoch.

Der Drehverschluss des Boa® Fit Systems ermöglicht ein selbstdosiertes Einstellen der Entlastung je nach Bedarf.

Sie können mit der Orthese entlasten, die Propriozeption beeinflussen und das Gangbild verändern. Welche Funktion ist Ihnen am wichtigsten?

Prof. Sell: Generell glaube ich, dass die mechanische Funktion, wie man bei den ­markanten Entlastungszügen leicht vermuten könnte, nicht das alles Entscheidende ist. Natürlich wollen wir in erster Linie Stabilität und Schmerzreduktion am Knie erreichen. Aber man weiß beispielsweise, dass die über das Gestrick angeregte Propriozeption neben der Generierung von Muskelstabilität auch Einfluss auf das Gangbild hat. Und das Gangbild wiederum hat Einfluss auf den Oberkörper, der eine wichtige Rolle für die achsgerechte Beinstellung spielt. Wir gehen von einem Zusammenwirken dieser Faktoren aus. Ob man den jeweiligen Anteil quantifizieren kann, wollen wir demnächst an meinem Lehrstuhl für Sportorthopädie am KIT (Karlsruher Institut für Technologie) überprüfen.

Wenn wir nur bei der Entlastung bleiben, was kann sie leisten?

Prof. Sell: Die GenuTrain OA bringt eine richtige Stabilität ans Knie. Sie blockt durch die Züge bestimmte Belastungsformen. Die Korrektur einer Achsabweichung hat aber ihre bewussten Grenzen. Ich will mit dieser Orthese auch keine 20 Grad ­Valgusstellung rüberdrücken. Dafür sind Hartrahmenorthesen, wie etwa die ­SecuTec OA, das geeignetere Mittel. Natürlich gibt es immer Grenzfälle. Ungefähr zehn Grad zur Korrektur sind ein realistischer Wert. Ich sehe die GenuTrain OA als wohlwollende, auch mahnende Orthese, die den Impuls in die richtige Richtung gibt.

Was haben die Probanden Ihnen zum ­Tragekomfort zurückgemeldet?

Prof. Sell: Alle waren sehr angetan vom Sitz der Orthese. Passform, Gestrick und die ­Zuggurte halten die Orthese wirklich exakt an der richtigen Position. Die Bedienung des Drehverschlussess wurde ebenfalls sehr gelobt. Sie erschließt sich intuitiv. Damit können sie durch die Anzughose oder eine Jeans hindurch den passenden Zug einstellen. Und dafür müssen sie nicht auf die Toilette gehen. Die GenuTrain OA ist eine entlastende und gleichzeitig unkompliziert zu tragende Orthese für aktive Menschen.

Bilder: Udo Schönewald (2), Bauerfeind


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