Für Ärzte und Partner im Gesundheitswesen Informationen für Patienten finden Sie hier.

Andreas Toba – Hero de Janeiro Sicher gelandet

Ausgabe 03/2017

Hannover im Juli 2017: Andreas Toba ist zurück. Der „Held von Rio“ kann endlich wieder Wettkämpfe bestreiten. Das Knie, mit dem er unter Schmerzen bei den Olympischen Spielen in Rio weiterturnte, es hält. Der Mehrkampfspezialist musste allerdings eine neue Disziplin üben: Geduld.

Der Abgang war wenig elegant. Rücklings, die Arme und Beine nach oben gestreckt, plumpst der Mann von der Reckstange auf einen Schaumstoffhaufen. Ein lustiges Bild. Wettkampfrichter würden dafür kaum besser als fünf minus bewerten. Sei’s drum, was der Turner zuvor an dem Gerät demonstrierte, war Extraklasse: Mühelos schwang er sich hoch, spannte seine mächtigen Bizepse, nahm Anlauf zu zwei, drei schnellen Drehungen, kreuzte die Griffe, flog mit seinen schmalen Beinen am höchsten Punkt über das Reck, um erneut Schwung zu holen für die Kreise um die Stange. Egal, ob Riesenfelge, Tkatschow-Grätsche, Gienger- oder Kovacs-Salto: Andreas Toba gehen die Übungen am Reck wieder bestens von der Hand. Hätten die Abspannungen der Streben nicht bei jeder Drehung geächzt, man hätte der Illusion von Schwerelosigkeit erliegen können: eine Eins mit Sternchen. Auch die zwei jungen Turner neben dem Schaumstoffhaufen klatschen.

„Es hat gekracht! Ich konnte das Bein nicht mehr halten“

An diesem Nachmittag im Frühsommer herrscht in der Turnhalle am Olympiastützpunkt Hannover gelöste Stimmung. Andreas Toba, Deutscher Meister im Kunstturn-Mehrkampf 2016 und Olympiateilnehmer in London und Rio, ist wieder voll ins Training eingestiegen. Operationen und Komplikationen nach seiner schweren Knieverletzung in Rio hatten ihn immer wieder zurückgeworfen. Im Frühjahr noch, ein halbes Jahr nach der Rekonstruktion des Kreuzbands und einer gleichzeitig erfolgten Meniskusoperation, war es eine Infektion im Knie, die ihn erneut außer Gefecht setzte. Kurz davor musste der bereits genähte Meniskus erneut operiert werden. Seine Leidensgeschichte begann bei der Bodenübung in Rio. Am Ende der ersten Bahn kam er nach einem Sprung mit einer Verdrehung im Gelenk auf.
„Ich wusste sofort, dass etwas kaputt gegangen ist“, schildert er den fatalen Moment: „Es hat gekracht, und ich konnte das Bein nicht mehr halten.“ Die traurige Gewissheit später im Krankenhaus: Kreuzbandriss sowie Einriss des Meniskus. Wie jedoch Andreas Toba es geschafft hat, nur 15 Minuten nach der Verletzung sich auf das Pauschenpferd zu hieven und mit klackerndem Knie die beste Wertung aller deutschen Turner an diesem Gerät zu erzielen, ist nicht nur dem 26-Jährigen heute noch schleierhaft. „Ich wollte der Mannschaft helfen“, sagt er lapidar. Dafür gab es zwar keine Medaille, der „Hero de Janeiro“ durfte sich dennoch über große öffentliche Anerkennung freuen. Sein selbstloser Einsatz für das Team wurde mit dem Bambi-Preis des deutschen Fernsehpublikums gewürdigt.

Schutz durch stabilisierende Hartrahmenorthese

Die SofTec Genu stabilisiert und aktiviert zugleich. Das war der nächste Therapieschritt und eine wichtige Kombination zum Wiedereinstieg ins Training.
Die SofTec Genu stabilisiert und aktiviert zugleich. Das war der nächste Therapieschritt und eine wichtige Kombination zum Wiedereinstieg ins Training.

Aber nicht die Herzen der Zuschauer will ein Sportler gewinnen, sondern Wettkämpfe. Bis Andreas Toba daran überhaupt wieder denken konnte, vergingen lange Monate. In dieser Phase kamen bei dem Verletzten eine Reihe von Hilfsmitteln zum Einsatz, deren zeitliche Abfolge fast lehrbuchartig erscheint. Noch in Rio wurde ihm von Bauerfeind-Orthopädietechnikern vor Ort die ruhigstellende Knieorthese GenuLoc angelegt. Sie sollte das frisch verletzte Kniegelenk sichern und schützen. Zum Fixieren des Knies liegen im Trägermaterial der Orthese dorsal zwei Aluminiumschienen an, die in einem bestimmten Beugewinkel angeformt werden können – erste Maßnahme gegen schädigende Bewegungen und Stöße. So geschützt , konnte der Athlet die Heimreise antreten. Zwei Wochen nach der Verletzung wurde dann die Kreuzbandrekonstruktion durchgeführt. Parallel erfolgte die Meniskusnaht. Danach trug Toba die stabilisierende Hartrahmenorthese SecuTec Genu. Bei Kreuzbandrissen, Seitenbandverletzungen und Operationen des Meniskus benötigt das betroffene Kniegelenk für eine bestimmte Zeit eine externe Stabilisierung für eine kontrollierte Bewegungseinschränkung. Diese Funktion erfüllt die SecuTec Genu in vielerlei Hinsicht. Sie ist eine leichte und besonders rotationsstabile Knieorthese, die der Anatomie des Beins angepasst wurde. Flexion und Extension können unabhängig voneinander schützend eingeschränkt werden. Darüber hinaus lässt sie sich leicht von vorn an- und ablegen. Und sie liegt flach an.

„Ohne die Orthese hätte alles viel länger gedauert“

Arzt und Turner beim Kontrolltermin in der Hannoveraner Orthopädiepraxis.
Arzt und Turner beim Kontrolltermin in der Hannoveraner Orthopädiepraxis.

Für Andreas Toba war die flache Bauweise der SecuTec Genu das entscheidende Kriterium, den Trainingseinstieg Anfang des Jahres zu wagen. Alles andere wäre den Beinen bei seinen Flanken und Felgen an den Turngeräten nur im Weg gewesen. Der Rekonvaleszent trug die Orthese vom Beginn seiner Rehamaßnahmen bis zum Wiedereinstieg. „Ohne sie hätte ich schlicht keine Chance gehabt, früh zu trainieren“, sagt er. „Es hätte alles viel länger gedauert.“ Auch eine Kopfsache, wie er zugibt: „Das Coole an der Orthese war, dass ich keine Angst mehr hatte. Die Angst nämlich, dass mein Knie wegknicken könnte. Es wurde ja von der Orthese gehalten.“ Seit Jahresbeginn trainiert Andreas Toba mit der Softorthese SofTec Genu. Sie stabilisiert das Knie sowohl passiv als auch aktiv, indem sie den mechanischen Schutz von Hartrahmenorthesen mit den muskelaktivierenden Eigenschaften von Bandagen verbindet. Dadurch hilft die SofTec Genu, Fehlbewegungen zu vermeiden, und fördert gleichzeitig eine sichere Mobilisierung. Eine viskoelastische Pelotte um die Kniescheibe verstärkt ihren positiven Effekt auf die Sensomotorik und gewährleistet einen positionssicheren Sitz.

Sports Knee Support zur „letzten Sicherheit“

Mit Sports Knee Support am Pauschenpferd – zur letzten Sicherheit.
Mit Sports Knee Support am Pauschenpferd – zur letzten Sicherheit.

Andreas Toba scherzt nach seiner Landung in der Schaumstoffgrube ausgelassen mit den zwei jungen Turnern. Natürlich war der Abgang nicht missglückt, sondern genau so gewollt. Die Kräfte, die bei einer Landung aus solch einer Höhe in den Stand auf das Knie wirken, braucht im Moment niemand. Nicht der Sportler und nicht seine Therapeuten. Einer von ihnen erwartet den Sportler bereits: Kontrollbesuch bei Dr. med. Andreas Sander-Beuermann in der Hannoveraner Innenstadt. Der Orthopäde behandelte bereits Andreas‘ Vater Marius, ebenfalls deutscher Kunstturnmeister. Mit dem Sohn ist der Arzt heute zufrieden. Man müsse selbstverständlich weiterhin beobachten, aber angesichts der Rückschläge, vor allem eines erneuten Meniskuseinrisses im Februar, gehe die Heilung jetzt gut voran. Zufrieden ist der Experte, der auf 4.500 Kreuzbandoperationen zurückblickt, auch mit der Rolle der Hilfsmittel. Andreas Toba nutzt häufig die Sports Knee Support „zur letzten Sicherheit im Training“, wie der Turner berichtet. Die Bandage wurde von Bauerfeind für den Sportbereich entwickelt, ausgehend vom medizinischen Pendant, der GenuTrain. Die wiederum verordnet Dr. Sander-Beuermann sehr häufig bei seinen anderen Patienten. „Aus eigener Erfahrung weiß ich“, so der Arzt , „dass die GenuTrain im Tragekomfort und mit ihren propriozeptiven Eigenschaften einfach unübertroffen ist.“ (Siehe auch Interview hier)

„Leistungssport kann genauso gefährlich sein wie Sitzen“

Vom Arzt zum Olympiastützpunkt zurückgekehrt, geht es für Andreas Toba nach einem kurzen Mittagsimbiss zu einem weiteren „Gerät“: auf die Liege des Physiotherapeuten. Was sich dort erst wohlig anhört, wird schnell zum leichten Stöhnen: Muskelentspannende Griffe des Therapeuten am Knie von Andreas Toba, auch myofasziale Releasetechnik (MFR) genannt , wechseln sich ab mit empfindlicheren Gelenktechniken an der Schulter. Die Schulter, ein anderer arg strapazierter Bereich bei Turnern: „Ich schiebe den Oberarmkopf nach hinten, so dass er sich von selbst repositionieren kann. Das ist keine Blockierung, die Muskulatur ist einfach überlastet“, weiß der Physiotherapeut. „So gesehen, kann Leistungssport genauso gefährlich sein, wie den ganzen Tag zu sitzen.“ Ein Problem, mit dem sich Andreas Toba selten auseinandersetzen muss. Überhaupt kann er hinter den bisherigen Tag ein Häkchen machen. „Es fühlt sich alles gut an“, freut er sich. „Am Reck konnte ich schon viele Elemente meiner Rio-Übung turnen. Parallel arbeite ich auch wieder an den anderen Geräten.“ Den Beweis tritt der Ausnahmeturner stehenden Fußes, einen Stock höher, vor dem Pauschenpferd an – sein „Rio-Gerät“: Die Muskeln gelockert, schreitet er konzentriert auf das Pferd zu. Nur einen kurzen Augenblick liegen die Hände auf dem Leder, dann schwirren auch schon die Beine in die Luft. Keinerlei Spur von Angst ist beim „Reiter“ zu entdecken, mit seinem Knie bei den hohen Flanken am Pferd anzuecken. Der letzte Schwung – und Andreas Toba ist sicher gelandet.

Bilder: Anika Büssemeier, Nick Langer