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Unternehmensjubiläum: 90 Jahre Bauerfeind Mit Mut und Entschlossenheit

Ausgabe 02/2019

90 Jahre Bauerfeind stehen für eine konsequente Patientenorientierung und herausragende Produktinnovationen, aber auch für Qualitätsbewusstsein und unternehmerischen Weitblick. Ein Gespräch mit Prof. Hans B. Bauerfeind, dem Vorstandsvorsitzenden und Enkel des Firmengründers.

Bauerfeind life: 90 Jahre Bauerfeind: Wie hilft der Blick in die Vergangenheit für die Zukunft?

Prof. Bauerfeind: Das kommt auf den Abstand an.

Auf den Abstand?

Prof. Bauerfeind: Ja, auf den Abstand zum Ereignis oder zur Entscheidung, die es zu bewerten gilt. Je größer der ist , desto gelassener und wahrscheinlich auch objektiver kann ich vergangene Geschehnisse bewerten und meine Schlüsse ziehen. Vieles relativiert sich mit der Zeit und verliert an Bedeutung – erst recht innerhalb von 90 Jahren. Was uns heute beschäftigt oder sogar ärgert , ist in zwei Wochen, zwei Monaten oder zwei Jahren kein Thema mehr und vielleicht nicht mal eine Fußnote wert. Insofern lohnt sich gerade in unserer schnelllebigen Zeit ein Innehalten – oder der Blick zurück –, um Abstand herstellen und besser bewerten zu können.

Viele unternehmerische Entscheidungen oder Produkteinführungen der Vergangenheit entpuppen sich als Erfolgsgeschichte: Wie viel davon ist Zufall , Ahnung oder Weitsicht?

Prof. Bauerfeind: Das eine ultimative Rezept für Erfolgsgeschichten gibt es nicht. Zufall , Ahnung und Weitsicht spielen immer irgendwie eine Rolle. Worauf es dazu noch ankommt , ist Fleiß. Weil erst kontinuierliches Arbeiten dauerhaften Erfolg bringt. Ich kenne jedenfalls keinen Faulpelz, der Erfolgsgeschichten schreibt. Für mich gehören außerdem Mut und Entschlossenheit zum Unternehmertum, weil von meiner Entscheidung nicht nur das Wohlergehen der eigenen Familie abhängt , sondern auch das unserer Angestellten, für die ich Verantwortung trage und die mir vertrauen.

Sie sind seit über 55 Jahren aktiv für das Unternehmen tätig. An was in der Firmengeschichte erinnern Sie sich besonders?

Prof. Bauerfeind: Jede Zeit hatte ihre Momente. Ich erinnere mich daran, wie das 1949 mit neun Jahren war, als meine Eltern und ich unsere Heimatstadt Zeulenroda verlassen mussten und für uns in Darmstadt-Eberstadt ein völlig neues Leben begann: in einer fremden Stadt , Freundschaften zu schließen, eine Firma zu gründen und eine neue Existenz aufzubauen. Da wollte ich schon als Kind mithelfen. Nach der Schule flog der Ranzen unter den Tisch und schon war ich im Betrieb. Es machte mir Spaß, Rechnungen zu schreiben oder kleine Maurer- und Zimmermannsarbeiten zu übernehmen, denn bei uns wurde ständig gebaut. Genauso prägend für mich war der Weg zurück. Unsere erste Betriebsversammlung 1991 in Zeulenroda. Ich sehe die Gesichter der Mitarbeiter noch genau vor mir: distanziert , abwartend, misstrauisch. Damals spielte es noch eine Rolle, woher man kam – erst recht beim neuen Betriebschef. Jeder in der Belegschaft hatte schon seine Erfahrungen mit „Wessis“ gesammelt oder kannte vom Hörensagen Geschichten über solche, die im Osten die schnelle Mark machten und dann wieder weg waren. So etwas brachte auch mich in Rage. Doch nicht gemeinsame Empörung machte uns dann in Zeulenroda so erfolgreich, sondern gemeinsamer Tatendrang.

„Der größte Erfolg der Firma ist für mich, dass wir zu keiner Zeit Abstriche an der Qualität machen – nicht bei den Produkten, nicht bei der Beratung und nicht im Service.“Prof. Hans B. Bauerfeind

Was sind aus Ihrer Sicht die Meilensteine der Firma? Was ist der größte Erfolg der Firma?

Prof. Bauerfeind: Da könnte ich Ihnen jetzt unzählige Produktentwicklungen und Versorgungskonzepte beschreiben, über die wir hier im life-Magazin ausführlich berichten: Die Erfindung unserer Train-Bandagen vor fast 40 Jahren war gattungsprägend. Bei den Orthesen bietet aktuell zum Beispiel das Spinova-Portfolio alle Möglichkeiten für eine erfolgreiche mehrstufige Therapie. Einlagen wie TRIactive oder ErgoPad weightflex setzen in der Fertigungstechnologie Maßstäbe. Nicht zu vergessen unsere VenoTrain-Kompressionsstrümpfe: Wir können Mikrofasern sowohl in rund- als auch in flachgestrickten Strümpfen verarbeiten. Außerdem haben wir sehr früh in die Messtechnologie investiert und einen Standard geschaffen, von dem jetzt in digitalen Zeiten Fachhändler und Patienten profitieren. Aber der größte Erfolg der Firma ist für mich, dass wir zu keiner Zeit Abstriche an der Qualität machen – nicht bei den Produkten, nicht bei der Beratung und nicht im Service. Das setzen wir seit 2007 auch als Grundsatzidee im Qualitätspartner-Programm zusammen mit über 1.200 Fachhändlern in Deutschland um.

Was sehen Sie als die größten Herausfor­derungen für die Hilfsmittelbranche?

Prof. Bauerfeind: Die demografische ­Entwicklung bringt es mit sich, dass der ­Bedarf an Gesundheitsprodukten und -dienstleistungen steigt. Das bietet alle Chancen für unsere Branche. Die Herausforderung besteht darin, hierzulande das Gesundheitssystem so auf die Zukunft auszurichten, dass Innovationen bei den Patienten ankommen. Es geht also auch um die Frage, wie Gesundheit in Deutschland künftig finanziert werden soll. Dabei wäre es fatal , Qualität zu streichen. Was nutzt ein Produkt , das in der Anschaffung billig ist , aber im Einsatz nicht funktioniert und ungern getragen wird? Therapieziele werden nur mit qualitativ hochwertigen medizinischen Hilfsmitteln erreicht , die den Patienten durch spürbare Wirkung, beste Passform, eine gute Haptik und ansprechende Optik überzeugen.

Bild: Bauerfeind/Andreas Chudowski


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