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3. Zeulenrodaer Phlebologie-Forum Das dicke Bein

Ausgabe 03/2015

Welche Ursachen können einem „dicken Bein“ zugrunde liegen? Was führt zu den besten Heilungsraten beim Ulcus cruris venosum? Und warum wird eine Thrombose oft nicht rechtzeitig erkannt? Diese und weitere Themen wurden am 17. und 18. April 2015 beim 3. Zeulenrodaer Phlebologie-Forum im Bio-Seehotel diskutiert.

Dr. med. Christine Zollmann, Jena.
Dr. med. Christine Zollmann, Jena.

„Meine Beine sind dick und tun weh. Diesen Albtraumsatz kennt jeder aus der täglichen Praxis“, stimmte Dr. med. Christine Zollmann, die wissenschaftliche Leiterin der Fortbildungsveranstaltung, die Teilnehmer zum Thema ein. Dazu zeigte sie verschiedene Fallbeispiele aus ihrer Praxis für Venen- und Hauterkrankungen in Jena, darunter Patienten mit Krampfadern, Acrodermatitis/Borreliose, Charcotfuß oder Thrombosen. Die Auslöser für geschwollene Beine sind vielfältig, wobei chronische Venenerkrankungen eine prominente Rolle spielen.

 

Varikosen und Ulcus cruris venosum: verbesserter Blutdurchfluss

Dr. med. Christoph Dresler, Northeim.
Dr. med. Christoph Dresler, Northeim.

 

 

Das Ziel der Behandlung bei chronischen Venenerkrankungen ist , den gestörten Blutrückfluss zu verbessern. Dr. med. Christoph Dresler, Chirurgische Gemeinschaftspraxis Northeim, stellte seine Erfahrungen mit dem VenoPatch® bei Varikosen dar. Dieser kommt bei der extraluminalen Valvuloplastie des sapheno-femoralen Übergangs zum Einsatz. Dabei wird die krankhaft geweitete Vene mit einer Kunststoffmanschette umhüllt und dadurch wieder auf den normalen Durchmesser gebracht. In der Folge kommen die Venenklappen wieder in Kontakt und sind wieder verschlussfähig. Doch wo ist der Patch am besten zu legen? „In den ersten vier Zentimetern finden sich bei rund 90 Prozent der Patienten zwei Klappen. Und diese gilt es mit dem VenoPatch dicht zu bekommen“, so Dr. Dresler. Mit dieser Methode erreichte er bei 89,6 Prozent seiner 412 VenoPatch-Patienten nach drei Jahren einen suffizienten Klappenverschluss im sapheno-femoralen Übergang. Der Gefäßchirurg hält das Operationsprinzip nicht nur für physiologisch, sondern auch für sehr sicher. Ein Vorteil sei, dass die anderen Therapieoptionen wie die Kompressionstherapie trotzdem noch zur Verfügung stünden und als wichtiger Therapiebaustein genutzt werden könnten.

Dr. med. Georg Gallenkemper, Duisburg.
Dr. med. Georg Gallenkemper, Duisburg.

Dr. med. Georg Gallenkemper, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, beleuchtete das Ulcus cruris venosum, das immerhin die häufigste Ursache nicht verheilender Wunden am Bein ist. Der konservative Teil der Therapie fuße im Wesentlichen auf der Basis der Prinzipien der komplexen physikalischen Entstauungstherapie, also der Kompressionstherapie mit Ulcus-Kompressionsstrümpfen, Mobilisierung und – immer da, wo ein Ödem eine Rolle spielt – Lymphdrainage. Grundlage der operativen Therapie sei die Verbesserung der venösen Hämodynamik, in erster Linie durch das Ausschalten epifaszialer Refluxstrecken. Dies führe – unabhängig vom chirurgischen Verfahren – zu einer Verbesserung der Wundheilung und Verringerung der Rezidivquote.

Thrombose: Schnelle Beweisführung, sofortige Antikoagulation und Kompression

Dr. med. Helmut Uhlemann, Altenburg.
Dr. med. Helmut Uhlemann, Altenburg.

Venenthrombosen gehören zu den besonders schwerwiegenden Ursachen geschwollener Beine und werden aufgrund ihrer Symptomatik manchmal fehlgedeutet und falsch behandelt. Für Dr. med. Helmut Uhlemann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin/Angiologie am Klinikum Altenburger Land, ist die Thrombose deshalb auch ein „gefährliches, heimtückisches Chamäleon“, das schwer zu fassen sei. Er verdeutlichte das anhand von Praxisbeispielen in seinem Vortrag über venöse Thromboembolie (VTE). Etwa am Fall einer 46-jährigen Frau, die mit Muskelschmerzen in der Wade in die Klinik nach Altenburg kam. „Sie hatte zuvor schon zwei Wochen Magnesium eingenommen, ohne spürbaren Erfolg. Es handelte sich letztendlich auch um eine Vier-Etagen-Thrombose.“ Gerade ein vermeintlicher Muskelfaserriss stelle sich nicht selten als Thrombose heraus, gab der Gefäßspezialist zu bedenken.
„Unser Anspruch in Altenburg ist es, wenn wir den Verdacht einer Thrombose haben, diese am gleichen Tag zu bestätigen oder auszuschließen“, so Dr. Uhlemann. „Und bei Bestätigung sollte noch am selben Tag antikoaguliert werden. Denn wenn wir nichts machen, besteht beispielsweise bei frischer Ileofemoral-Venenthrombose eine spontane Letalitätschance von fünf bis zehn Prozent. Unter Antikoagulation sinkt das Risiko auf ein Zehntel davon.“ Dr. Uhlemann erläuterte, wann und in welcher Dosis und Dauer er welche Antikoagulantien gibt. Mittlerweile spielten in seiner Klinik die niedermolekularen Heparine (NMH) kaum mehr eine Rolle, vielmehr setze man in den meisten Fällen auf die direkten oralen Antikoagulantien (DOAK), Ausnahmen sind Schwangere und Krebspatienten im akuten Stadium. Er unterstrich, dass die DOAK in vielen Fällen den Vorzug hätten, weniger schwere Blutungen herbeizuführen, ungeeignet seien sie allerdings in der nichtchirurgischen VTE-Prophylaxe. Ein weiterer Alltagsvorteil der modernen Medikamente: Es seien keine Laborkontrollen nötig. Doch Medikamente sind nur ein Teil der Thrombosetherapie: „Zusätzlich zu den Antikoagulantien erhalten die Patienten sofort einen effektiven phlebologischen Kompressionsverband. Auch wenn sie in die Diskussion geraten ist: Wir stehen zur Kompression und halten sie konsequent ein“, betonte der Chefarzt aus Altenburg. Ein Kompressionsstrumpf (in der Regel Klasse 2) komme etwa ab Tag drei, zunächst tagsüber, zum Einsatz.

Lymphödem: Therapieerfolg auf fünf Säulen

Volker Hack, Pommelsbrunn.
Volker Hack, Pommelsbrunn.

Volker Hack vom Medizinischen Versorgungszentrum Pommelsbrunn skizzierte den integrativen Therapieansatz beim Lymphödem. Dabei beruhe der Therapieerfolg bei lymphologischen Ödemen auf fünf Säulen: An erster Stelle steht die manuelle Lymphdrainage, die sachgerecht und genügend häufig durchgeführt werden müsse. Die zweite Säule sei die Kompressionstherapie. Hier komme zunächst der Kompressionsverband zum Einsatz, und zwar solange wie eine Volumenreduktion erreichbar sei. Anschließend gelte es, den Erfolg mit Kompressionsstrümpfen zu sichern. „Gefordert ist ein Strumpf mit möglichst hohem Arbeitsdruck. Bei Lymphpatienten sind – mit ganz wenigen Ausnahmen – flachgestrickte Kompressionsstrümpfe obligat“, machte der Praktiker noch einmal deutlich. Falls die Krankenkasse die Flachstrickprodukte infrage stelle, könne man auf die geltenden Leitlinien verweisen, riet er. Wichtig sei es, den Strumpf erst dann zu verordnen, wenn das Bein bestmöglich entstaut ist. Und auch die individuelle Patientencompliance müsse berücksichtigt werden: „Besser ein Kniestrumpf am Bein als die Strumpfhose im Schrank“, laute in schwierigen Fällen die Devise. Als dritte Säule gelte es, wo nötig, das Gewicht zu reduzieren. Bewegung bildet die vierte Säule und der fünfte Themenkreis, der noch zu sehr unterschätzt werde, seien psychologische Gesichtspunkte. Das Lymphsystem als Regulationssystem sei ganz stark mit der psychologischen Befindlichkeit des Betroffenen verknüpft – Kummer, Frust , gute oder schlechte Körperakzeptanz, aber auch Harmonie und Energie nähmen darauf Einfluss. Man müsse den Menschen klarmachen, dass sie immer derselbe Konstitutionstyp sind und (nur) innerhalb desselben Entwicklungsmöglichkeiten hätten.

Adipositas: sekundäre funktionelle Veneninsuffizienz steigt mit BMI

Dr. med. Gabriele Faerber, Hamburg.
Dr. med. Gabriele Faerber, Hamburg.

Der steigenden Anzahl adipöser Patienten in der phlebologischen Praxis widmete sich Dr. med. Gabriele Faerber vom Zentrum für Gefäßmedizin Hamburg. „Viele weisen sekundäre Veränderungen an den Beinen auf, die wir eigentlich vom Postthrombotischen Syndrom oder von schweren venösen Insuffizienzen her kennen. Das geht bis zur Atrophie blanche und zum Ulcus cruris.“ Adipöse hätten ein erhöhtes Risiko für thromboembolische Ereignisse, u. a. aufgrund proinflammatorischer Effekte des viszeralen Fettgewebes und über die Gerinnungsaktivierung.
Überrascht habe sie zunächst Folgendes: Rund 71 Prozent der Lipödempatienten seien übergewichtig, bei den Lymphödempatienten sogar 76 Prozent. „Auf den ersten Blick hätte man vielleicht ein umgekehrtes Verhältnis vermutet. Doch das liegt daran, dass wir eine ständig steigende Anzahl von Patienten haben, die eigentlich nur aufgrund ihrer Adipositas ein sekundäres Lymphödem entwickeln“, so Dr. Faerber. Sie hob hervor, dass die sekundäre funktionelle Veneninsuffizienz mit dem Body-Mass-Index (BMI) steigt und dass man bereits ab einem BMI von 25 eine Korrelation zwischen dem Druck in der Leiste und dem Beinvenendruck herstellen könne.
Beim Lipödem wies die Ärztin für Ernährungsmedizin, Lymphologie und Phlebologie darauf hin, dass zwar die Veranlagung zum Lipödem weitgehend diätresistent sei, man die zusätzlichen alimentären Fettdepots aber sehr wohl angehen könne. Daher sei die Ernährungstherapie elementar wichtig, zumal bei vielen Betroffenen auch eine Essstörung vorliege.

Blutzucker- und Insulinspitzen vermeiden

Auch Dr. med. Jutta Schimmelpfennig und Dr. med. Lutz Schimmelpfennig (links) nutzten den Erfahrungsaustausch in Zeulenroda.
Auch Dr. med. Jutta Schimmelpfennig und Dr. med. Lutz Schimmelpfennig (links) nutzten den Erfahrungsaustausch in Zeulenroda.

Viele ihrer Patienten berichten, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung zu mehr Müdigkeit , dem Gefühl der „Aufschwemmung“ und zu erhöhter Druckempfindlichkeit führe. Sie selbst hätte beste Erfahrungen gemacht mit ballaststoffreicher, eiweißbetonter Ernährung mit viel Gemüse und vor allem der Reduktion der leicht verdaulichen Kohlenhydrate.
Sie begrüßte es, dass in den derzeit in Überarbeitung befindlichen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie zur Diagnose und Therapie des Lipödems die Ernährungstherapie eine größere Rolle bekomme als bisher. „Prinzipiell sollte bei den betroffenen Patienten eine Gewichtszunahme vermieden werden, da Adipositas zur Verstärkung der Ödemkomponente beiträgt. Dabei spielt unter anderem auch eine Rolle, dass Fettgewebe östrogenaktiv ist und die Östrogendominanz eine weitere Ödematisierung begünstigt.“
Indikationen zur Gewichtsreduktion seien nach den Leitlinien der Deutschen Adipositasgesellschaft alle Zustände mit einem BMI über 30 oder eine Erkrankung, die durch Übergewicht verschlimmert werde. „Und das ist beim Lipödem der Fall. Allerdings sollte die Therapie immer eine Kombination aus ernährungs-, bewegungs- und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen sein, und zwar nicht nur in der Phase der Gewichtsreduktion, sondern auch zur langfristigen Stabilisierung. Und die Gewichtsreduktion darf nicht zulasten der Muskelmasse, sondern der Fettmasse erfolgen.“
Von elementarer Bedeutung sei es weiterhin, Blutzucker- und Insulinspitzen zu vermeiden. „Denn Insulin ist ein Masthormon und führt zur Ausbildung weiterer Fettdepots“, so die Ärztin. 

Ausgewählte Bauerfeind Produkte

VenoTrain ulcertec
VenoTrain ulcertec


VenoTrain ulcertec:
Heilen mit System
Speziell für die Therapie des Ulcus cruris venosum ausgelegt ist das Kompressionsstrumpfsystem VenoTrain ulcertec. Es kann im Gegensatz zu Kompressionsverbänden nicht verrutschen und übt dauerhaft den zur Heilung notwendigen Druck auf das Bein aus. Ein weißer Unterstrumpf aus hautfreundlichem Material mit niedrigem Druck hält die Wundauflage sicher am Bein. Der hautfarbene Oberstrumpf mit patentiertem Spezialgestrick erzeugt den therapeutisch notwendigen Druck und ermöglicht ein leichtes An- und Ablegen. Erhältlich ist das Kompressionsstrumpfsystem als VenoTrain ulcertec 39 und VenoTrain ulcertec 46 – entsprechend des Maximaldrucks von 39 bzw. 46 mmHg.

VenoTrain impuls
VenoTrain impuls


VenoTrain impuls: Wirksamkeit und Komfort
Der VenoTrain impuls kommt bei mittleren bis schweren Venenleiden sowie bei der Therapie von Lymphödemen in beginnenden Stadien zum Einsatz. Der rundgestrickte Strumpf in Ccl 2 und 3 besteht aus einem strapazierfähigen kurzzugelastischen Material. Dank seines besonderen Dehnungsverhaltens lässt er sich bequem anlegen und sorgt bereits bei geringer Muskelbewegung für einen gleichbleibend hohen Arbeitsdruck. Für maximalen Komfort bei therapeutischer Effizienz verfügt der VenoTrain impuls über einen Mikrofaseranteil von über 40 Prozent.

VenoTrain curaflow & VenoTrain delight
VenoTrain curaflow & VenoTrain delight


VenoTrain curaflow & VenoTrain delight: Maßgeschneiderte Kompression
Bei Lymph- und Lipödemen kommen i. d. R. maßgefertigte Flachstrickprodukte zum Einsatz. Während sich VenoTrain delight insbesondere für die Therapie von Beinödemen des Stadiums 1 eignet , ist VenoTrain curaflow exakt auf die Bedürfnisse von Lymph- und Lipödempatienten der Stadien 2 und 3 ausgerichtet und erlaubt eine Versorgung der Beine, Arme, Hände sowie des Brustkorbs. Beide Flachstrickprodukte üben mit ihrem feinmaschigen Zweizuggestrick bei Bewegung einen stabil hohen Arbeitsdruck aus. Mit seinem hohen Mikrofaseranteil und speziell ausgearbeiteten Komfortzonen bietet VenoTrain curaflow den Patienten mit Lymph- und Lipödemen ein angenehmes Tragegefühl. ­VenoTrain delight zeichnet sich durch seine spezielle gripRelief-Struktur aus, die an den Abschlussbündchen mit reduziertem Druck unangenehmes Einschnüren verhindert. Der Strumpf gewährt eine hohe Stabilität und eignet sich dadurch auch für Patienten mit Lipödem.

Bilder: Andreas Wetzel , Bauerfeind