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2. Internationaler Sportkongress in Rio Zurück im Spiel

Ausgabe 03/2016

So länderübergreifend wie der Sport sind seine Verletzungsmuster. Das Rezidiv am Sprunggelenk hat nicht nur den Fußballer Marco Reus ereilt. Zu früh zurück im Spiel? Dr. med. Kai Fehske von der Universität Würzburg arbeitet an einem „Frühwarnsystem“.

„Wann kann ich wieder spielen?“ Diese Frage treibt sie alle um: den Sportler, den Arzt , die Familie. Wann ist der richtige Zeitpunkt , um nach einer Sprunggelenkverletzung wieder ins Training und in den Wettkampf einzusteigen? Vor den Kongressteilnehmern stellte auch Dr. Fehske diese Frage aller Fragen. Auch er, so viel sei vorweggenommen, blieb eine klare Antwort schuldig, nicht weil dem Unfallchirurgen und Orthopäden die Expertise fehlte, ganz im Gegenteil , sondern weil die in Sportlerkreisen meistgestellte Frage noch nicht vollständig zu beantworten ist. Zumindest nicht eindeutig. Zu viele Unwägbarkeiten sind an diesem Spiel beteiligt.

Umknick-Risiko Nummer eins: Basketball

Sprunggelenkverletzungen machen ein Drittel aller Sportverletzungen aus. Risikosport Nummer eins ist Basketball, dann Volleyball , dann Fußball. Die Rezidivraten sind frappierend hoch. Als bekanntes Beispiel nannte Dr. Fehske den deutschen Profifußballer Marco Reus, der nach einer Anfangsdistorsion über Jahre Wiederholungsverletzungen erlitt. Generell sieht der Arzt zwei Arten von Risikofaktoren am Werk: intrinsische Faktoren wie muskuläre Dysbalancen oder begrenzte neuromuskuläre Kontrolle (s. Ref.) und ex­trinsische Faktoren. Dazu zählt der Orthopäde, der auch Sportwissenschaftler ist , Beschaffenheit des Bodens, Art der Schuhe, aber auch eventuell fehlende externe Stabilisatoren wie Sprunggelenkbandagen. Entscheidend für das Auftreten des Rezidivs jedoch, nicht nur im Fall des Fußballers Marco Reus, sieht Dr. Fehske etwas ganz anderes: ein zu frühes „Return to Play“!

„Return to Doctor“ vermeiden

Bei der Rückkehr auf den Sportplatz nach Sprunggelenkverletzungen sei unbedingt auf den richtigen Zeitpunkt zu achten, betonte der Vortragende. Leichter gesagt als getan, das weiß auch Dr. Fehske. Wann ist der posttraumatische Stress so weit abgeklungen, dass ein „Return to Play“ nicht zu einem „Return to Doctor“ wird? Als erste Orientierung riet er in seinem Vortragsabschnitt ‚Stadiengerechte Therapie‘ Begleitverletzungen abzuklären, die zu einer Verzögerung der Rückkehr führen könnten. Das A und O sei aber eine auf die individuellen Verhältnisse des betroffenen Sportlers angepasste Rehabilitation. Dazu gehörten auch multidisziplinäre Ansätze wie propriozeptives Training und Ernährung. Dr. Fehske berichtete von einem Funktionstest , den er aktuell mit seiner Arbeitsgruppe am Sportzentrum der Universität Würzburg entwickelt. Ziel sei, eine chronische Instabilität des Sprunggelenks möglichst f rühzeitig zu erkennen. Fazit seines Vortrags: Eine vorzeitige Rückkehr des Sportlers mit dem erhöhten Risiko einer erneuten Verletzung und der Verlängerung der Rehabilitation unbedingt vermeiden. Im Zweifel für die langfristige Gesundheit des Sportlers.

Ref.: Kobayashi T , Tanaka M, Shida M. Intrinsic Risk Factors of Lateral Ankle Sprain: A Systematic Review and Meta-analysis. Sports Health. 2016 Mar–Apr; 8(2): 190–3.

Den kompletten Kongressbericht in englischer Sprachen finden Siehier zum Download

Bild: Bauerfeind