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2. Internationaler Sportkongress in Rio Anwendungen rund um den Globus

Ausgabe 03/2016

Wer belastbare Informationen will, muss Mut zur großen Zahl haben. 37 Studienzentren waren an einer internationalen Untersuchung zu Orthesen- und Bandagenversorgungen beteiligt. Der Sportmediziner Dr. Gary Abraham berichtete von einer enormen Versorgungsbreite in Kanada.

Kanada hat geliefert. Nicht unbedingt Medaillen, die sind bei Sommerspielen – ohne Eishockey, von dem noch die Rede sein wird – traditionell gering. In einer anderen Disziplin konnte Dr. Abraham, ärztlicher Direktor der Klinik „The Sports Medicine Specialists“ in Brampton/Ontario, auf sich und sein Land aufmerksam machen: herausragende Ergebnisse in der konservativen und postoperativen Versorgung verletzter Sportler. Auf dem Kongress trug der Arzt gleich eine Fülle erfolgreicher Therapieansätze mit Bandagen und Orthesen vor – eingebettet in eine internationale, nicht-interventionelle Studie, die ebenfalls auf dem Kongress in Rio vorgestellt wurde. Anlass der von Bauerfeind initiierten Untersuchung sind Entwicklungen, die die Sportmedizin vor große Herausforderungen stellen.

Studie soll Sportmedizin weltweit unterstützen

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Verletzten, sowohl im Spitzen- als auch im Breitensport. Nicht nur Distorsionen am Sprunggelenk oder Läsionen am Knie sind weltweit auf dem Vormarsch. Die professionelle Versorgung der Betroffenen wird das Zukunftsthema. Um den Therapeuten die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen zu können, sind Informationen wie Indikation, Dauer der Behandlung und Art der Maßnahmen entscheidend. Auch gilt es zu klären, wie sich einzelne Faktoren auf den Gesamtbehandlungserfolg auswirken. Welche Vorteile hat der verletzte Sportler durch konservativen oder postoperativen Einsatz von Bandagen und Orthesen? Wie lange dauert die Rehabilitationsphase? Diese Fragen fanden Eingang in eine nicht-interventionelle Studie, deren Auswertung 2016 endet. 37 Therapiezentren aus neun Ländern beteiligten sich, 1.548 Patienten konnten gewonnen werden. Unter allen Versorgungen kam allein rund 600 Mal die GenuTrain-Kniebandage zum Einsatz – in acht von neun Ländern an der Spitze liegend. Der internationale Vergleich der verschiedenen Therapieansätze mit Bandagen und Orthesen soll , so die Hoffnung der Initiatoren, die sportmedizinische Forschung weltweit unterstützen.

Knie und Sprunggelenk an der Spitze

Gehört zu den Top Drei in der Versorgung durch das kanadische Studienzentrum: GenuTrain.
Gehört zu den Top Drei in der Versorgung durch das kanadische Studienzentrum: GenuTrain.

„The Sports Medicine Specialists“ aus Brampton/Kanada ist eines der 37 Studienzentren. Dr. Abraham, der ärztliche Leiter, konzentrierte sich bei seinem Vortrag auf Weichteilverletzungen an Ellenbogen, Knie und Sprunggelenk. 85 Patienten konnte er aus den verschiedensten Sportarten rekrutieren: Squash, Fußball , Laufen, Tennis, Golf, Basketball , Boxen, aber auch Yoga (!), Gymnastik und Tanzen. Ebenfalls stark vertreten waren Wintersportarten wie Skifahren, Eisschnelllauf und Snowboarden. An der Spitze von allen aber: Eishockey. Bei den Verletzungen hielten sich akute und chronische Geschehnisse die Waage. Die Indikationen spiegelten in ihrer Häufigkeit das typische Patientenspektrum der Klinik wider. An erster Stelle stehen Bänderverletzungen am Knie, dann Sprunggelenksdistorsionen sowie Epikondylitis, gefolgt von patellofemoralem Syndrom und Meniskusverletzungen.

GenuTrain und MalleoTrain Plus am häufigsten angewandt

Gehört zu den Top Drei in der Versorgung durch das kanadische Studienzentrum: MalleoTrain Plus.
Gehört zu den Top Drei in der Versorgung durch das kanadische Studienzentrum: MalleoTrain Plus.

Die Bandagen, die von Dr. Abraham und seinem Team eingesetzt wurden, folgten der Häufigkeit der Indikationen: GenuTrain (55 Mal), MalleoTrain Plus (12 Mal) und EpiTrain (10 Mal). Zum Einsatz kamen auch GenuTrain P3, MyoTrain, LumboTrain und AchilloTrain Pro. Die Compliance wurde insgesamt als „gut“ eingeschätzt. 83 von 85 Patienten beendeten die Studie. Die Bewertung des Tragekomforts betrug 8,95 von
10 Punkten. Das Anlegen der Bandagen bewerteten die Patienten im Schnitt mit „leicht“. Auch das Feedback zu Schmerzreduktion und subjektivem Stabilisierungsempfinden fiel positiv aus, mit einer Gesamtnote von „gut“ bis „sehr gut“, wie Dr. Abraham berichtete. „Ich selbst habe dabei viel über Bandagen und Orthesen gelernt“, so der Sportmediziner, „und war überrascht über deren durchgängig positive Wirkung.“

„Geschützte Mobilisierung“ verletzter Sportler

Gehört zu den Top Drei in der Versorgung durch das kanadische Studienzentrum: EpiTrain.
Gehört zu den Top Drei in der Versorgung durch das kanadische Studienzentrum: EpiTrain.

Ein Schaubild des Arztes erregte Aufmerksamkeit. Überschrieben war es mit „Erholung/Beschleunigung der Rehabilitation“. Drei Verfahrensweisen waren aufgelistet: „Bandagen“ lagen mit weitem Abstand auf dem ersten Platz, auf den Plätzen zwei und drei landeten „Physiotherapie“ und „Chirurgie“. Allerdings betonte Dr. Abraham die Wichtigkeit einer multimodalen Strategie, je nach Einzelfall. Der Arzt stellte jedoch klar: „Wenn die richtige Bandage richtig angewendet wird, ist sie das adäquate Mittel , eine schnelle Funktionalität des Sportlers wiederherzustellen.“ „Geschützte Mobilisierung“ lautete das Stichwort. Diese fördere das kapillare Einwachsen von Gefäßen in einen verletzten Bereich und beschleunige die Regeneration und die parallele Ausrichtung der Muskelfasern. Sie stimuliere zudem das Kollagenwachstum in den Sehnen.

Coole Aussichten im heißen Rio

Ein weiteres wichtiges Thema am Ende seiner Ausführungen: die Kompression. Sie könne, wie etwa bei der Oberschenkelbandage MyoTrain, sanften Druck auf die verletzte Muskulatur ausüben und Schwellungen und damit Schmerzen reduzieren. „Die MyoTrain stabilisiert die Muskulatur, erhöht die Durchblutung und verringert Muskelvibrationen“, sagte Dr. Abraham. Mit diesen Eigenschaften sei die MyoTrain prädestiniert für – natür­lich – Eishockeyspieler, deren Quadriceps einen Check von einem Gegenspieler erlitten habe.
In seinem Abschlussstatement zog Dr. Abraham ein eindeutiges Fazit: „Bandagen helfen bei den meisten Weichteilverletzungen! Sie erlauben es den Patienten, ihre Schmerzen zu kontrollieren und schnell wieder zurück in ihren Sport zu finden.“ Damit dürfte für Kanada eine Medaille im Eishockey bei den nächsten Winterspielen 2018 in Pjöngjang vorprogrammiert sein. Coole Aussichten im heißen Rio, auch für den weiteren Verlauf der Untersuchung. Kanada hat geliefert , jetzt werden die anderen Länder mit der Auswertung nachziehen: Sportsgeist in der Sportmedizin.

Den kompletten Kongressbericht in englischer Sprachen bieten wir hier zum Download an.

Bilder: Bauerfeind